Im Zuge einer Advents-Aktion öffnete der Flughafen Zürich nicht nur sein Duty-Free-Shopping für einkauswillige Nicht-Passagiere, sondern verloste auch Tickets für einen 40-minütigen Rundflug mit der „Tante Ju“. Dank einer grossen Portion Glück gewann ich eines der begehrten 34 Tickets, und konnte somit endlich mit diesem sehr besonderen Flugzeugtypen fliegen.

Der GPS-Track des Rundfluges mit den Flugdaten


 

Los geht's!

Auf der Besucherterrasse drehen sich alle nach ihr um...

...doch sie kommt genau vor uns zum Stehen. 

Ein paar Stilstudien der 1939 gebauten Ju-52 - dies macht sie auch zum ältesten Flieger in meinem Logbuch, obwohl ich doch schon mit einigen alten Eisen geflogen bin. Sie übernimmt somit die Führung, und verweist Buffalo Airways' DC-3 C-GWIR (1942), Pacific Airways' DHC-2 Beaver N264P (1952) und Air Chathams' Convair 580 ZK-CIB (1953) auf die weiteren Plätze.

Los geht’s – Freude und Aufregung sind fast greifbar!

Bald sind alle angeschnallt, die drei Motoren werden gestartet und wir rollen zur Intersection E7 der Piste 16 für den Start. Dort müssen wir noch einen Take-off abwarten, doch das gibt die willkommene Gelegenheit, noch etwas dem Blubbern der drei Sternmotoren zu lauschen. Und das könnt auch ihr!

Hier ist der Traffic: Zwei Flaggschiffe ihrer Zeit unter sich

Flightseeing im Tiefflug über Zürich

Von Piste 16 heben wir ab, und fliegen via Oerlikon in Richtung Zürcher Stadtzentrum. Links schweift der Blick über das Fernsehstudio und den Glattpark ins Glatttal, auch der Flugplatz Dübendorf ist im Hintergrund zu sehen. Schliesslich überfliegen wir auch das Hallenstadion, in welchem der ZSC gerade gegen den HC Davos spielt, dessen auffälliger Team-Bus einem gleich ins Auge sticht. 

 

Schon ist die Innenstadt erreicht. Prominent rückt sich der Hauptbahnhof ins Bild, flankiert vom Landesmuseum.

Unsere drei Neunzylinder-Sternmotoren vom Typ BMW 132 A3 verbreiten einen wunderbar sonoren Klangteppich über der ganzen Stadt, und so manch einer blickt ehrfürchtig in den Himmel. So auch in meinem Wohnquartier Oberstrass, wie zuverlässige Quellen später berichteten :-)

Geballte Intelligenz, Seite an Seite: Die ETH (mit Eisfeld auf der Polyterrasse) und die Universität Zürich

Als nächstes eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf den Häuserkuchen der Zürcher Altstadt, dominiert von den Kirchen St. Peter, Fraumünster und Grossmünster sowie dem Rathaus.

Bye bye Zürich! Über dem Seebecken (wer erspäht das Tram in Zoo-Bemalung?) drehen wir leicht ab und nehmen Kurs auf die Innerschweiz

Weiter geht's in Richtung Zentralschweiz

Über dem Zürichsee bleibt Zeit, das Ambiente zu geniessen, und auch kurz filmerisch tätig zu werden:

 

Als nächstes schaute ich im Cockpit der ehrwürdigen Tante Ju vorbei. Wir nähern uns in einem flachen Steigflug der Marke von 6‘000 Fuss Höhe (1‘800 Meter), während wir mit einer angezeigten Geschwindigkeit von knapp 150 km/h dahingondeln. Stilvolles Detail: die Lederriemen an den Pedalen. Ob man dagegen dem mittleren EGT-Meter Beachtung schenken darf, ist eine andere Frage - sonst wird's bald etwas heiss :-)

Auf dem GPS sieht man den Wegpunkt ARTAG, welcher über der Stadt Zug liegt. Und gleich unter dem GPS den state-of-the-art Performance Indicator für unser derzeitiges Gewicht von 10 Tonnen.

Einfach traumhaft schön hier vorne! 

Der Blick über beide Flügel zeigt auch die Tankfüllanzeige: in beiden Tanks verbleiben knapp 600 Liter. Und wer den beiden Propellern - sowie ihrem in der Front montierten Kollegen - noch etwas lauschen möchte, bittesehr!

Vor kurzem hatte ich die Tante Ju dort noch auf dem Boden stehend bewundert, und jetzt kurve ich selber rund herum: die Rigi! Ein tolles Gefühl, wenn sich der 10-Tönner in eine recht enge Kurve legt! 

Nächster Halt: Grosser Mythen!

Und hier beide Mythen nebeneinander

Den Rückweg bestritten wir via Einsiedeln, dessen Kloster wir ansprechend tief überflogen

Schon sind wir zurück über der Stadt Zürich. Gut sichtbar das Stadion Letzigrund sowie der weitläufige Friedhof Sihlfeld

Herumturnen am Zürcher Flughafen

Im linken Gegenanflug auf die Piste 28 geniessen wir einen wunderbaren Ausblick auf den Flughafen – genau deshalb sass ich auf der linken Seite :-)

Das Terminal A macht sich bereit für die abendliche Swiss-Europawelle

Auch an den anderen Terminals ist noch etwas Platz

Turning to base, mit der schön beleuchteten (dafür nicht ganz so schön betonierten) Piste 14 im Hintergrund

Wie von den Piloten angekündigt machen wir allerdings zuerst einen Low-Pass. Einmal den Tower mit Aussicht grüssen, und dann über dem Heligrill Kehrt machen – so macht’s Freude!

Noch einmal geniessen wir den Blick hinunter auf unseren heutigen Gönner, den wunderschönen Flughafen Zürich...

...und dann schwingen wir uns rund um die Klotener Kirche in den Endanflug auf die 28 (praktisch, um gleich die Landing Time abzulesen!). Die PAPI-Lichter sehen auch gut aus, alles klar zur Landung also!

An den freudig winkenden Zuschauern auf der Terrasse vorbei rollen wir zurück zu unserem Standplatz D01, wo dieser wunderbare Ausflug sein Ende findet.

Auch wenn das Wetter sich leider nicht von seiner besten Seite zeigte, das spärliche Licht die Fotografie zur Challenge machte und die Scheiben einige Fotos zusätzlich unscharf werden liessen, war es ein einzigartiges Gefühl, in diesem historischen Flieger die Schweiz erkunden zu dürfen. Das Brummen der Motoren, die spartanische Einrichtung, das behäbige Dahingleiten - dies alles versetzte einem zurück in die Pionierzeiten der Fliegerei und machte gewaltige Lust auf mehr. So sollte fliegen häufiger sein!


Ich für meinen Teil werde sicher bald wieder einen Ju-Air-Flug buchen – einerseits, um diese Herzensangelegenheit zu unterstützen (die Piloten, Flugbegleiterin sowie alle anderen über 100 Helfer arbeiten traditionell unentgeltlich, denn bis zu 13 Stunden Arbeit fallen auf eine Flugstunde an), und andererseits, weil es auch ganz einfach riesige Freude macht.

Herzlichen Dank an die Verantwortlichen des Flughafens Zürich und der Ju-Air für dieses wunderbare, leicht verfrühte Weihnachtsgeschenk!


Tis Meyer


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