Als im September in einer Facebook-Gruppe die Neuigkeit publiziert wurde, dass es einen Abschiedsflug mit einer Boeing 747SP der Iran Air geben sollte, zog ich höchstens kurz eine Augenbraue hoch. Die SP war auch „nur“ ein Jumbo, und dafür extra so weit weg und in ein so gescholtenes Land zu reisen, musste nun wirklich nicht sein. Dann aber realisierte ich, dass dort auch noch die letzten Boeing 727 der Welt im Passagierbetrieb stehen – und wurde schon interessierter. Als dann noch die Neuigkeit durchsickerte, dass auch noch ein Rundflug in einer Antonov An-74 in Vorbereitung war, konnte ich einfach nicht mehr nein sagen. Und so setzte ich das komplizierte Buchungs- und Einreiseprozedere in Gang.

 

 

Die Vorbereitungen

Visum und Tour-Buchung

Zuerst musste einmal der komplette Geldbetrag für die Reise ans iranische Reisebüro transferiert werden. Um jedoch die Blockaden des Embargos zu umgehen, musste es auf eine Bank in Istanbul geschickt werden, und auf der Transaktion war jeder Hinweis auf den Iran, das Reisebüro oder deren Mitarbeiter zu unterlassen. Andernfalls hätte das Geld konfisziert und für immer abgeschrieben werden können. Sehr vertrauenserweckend, aber das kannte ich ja bereits von Nordkorea. Kommt halt davon, wenn man immer wieder auf der Achse des Bösen umherbalanciert.

Dann ging es ums Visum. Zwar besteht die Möglichkeit eines Visa on Arrival, aber da hängt halt am Ende alles an der Tagesform des Schalterbeamten. So bemühte ich mich um ein reguläres Visum. Dafür musste das Reisebüro erst eine Dossiernummer beim iranischen Aussenministerium anfordern, welche dann nach einer Woche auch tatsächlich eintraf. Daraufhin musste ich beim forensischen Dienst der Kantonspolizei in Winterthur meine Fingerabdrücke nehmen lassen – weil die EU das auch von iranischen Bürgern verlangt, hat der Iran den Spiess nun einfach umgedreht und wendet die Regel für sämtliche Schengen-Bürger ebenfalls an.

Schliesslich galt es noch, den üblichen Plunder wie Krankenversicherungs-Police, Passfotos und Visumsanträge zu beschaffen, und dann war ich bereit für den Gang auf die Botschaft. Ich verband dies mit einem netten Tagestrip nach Bern, und dank einer 50%-Expressgebühr hatte ich das Visum dann bereits nach 20 Minuten in der Tasche. Juhu, Schritt 1 absolviert!

Die 727-Flüge

Dann ging es ans Planen der 727-Flüge. Das alles ist gar nicht so einfach, denn der jeweilige Flugplan wird von der Airline erst etwa 30 Tage im Voraus veröffentlicht. Immerhin verfügt 727-Betreiberin Iran Aseman Airlines über ein Online-Buchungssystem, welches die Flugzeugtypen darstellt.


Als dann der November-Flugplan endlich veröffentlicht wurde, legte ich sogleich eine Nachtschicht ein und analysierte in stundenlanger Arbeit, welche Strecken die drei B727 an den mir zur Verfügung stehenden Tagen absolvieren würden. Bald stellte sich heraus, dass die Trijets meist auf Gabelflügen unterwegs sind, die fast immer auch die Rennstrecke zwischen den beiden grössten Städten des Landes, Tehran und Mashhad, beinhalten. Natürlich wäre es aber ein Leichtes, eine 727 auf einer solchen Rotation einfach durch einen anderen Flugzeugtyp zu ersetzen. Daher fasste ich ein ganzes Arsenal an gleichzeitigen Flügen ins Auge, um möglichst einen Flug auf jeder individuellen Maschine zu haben: zwei Flüge an einem Tag, und fünf weitere am zweiten Tag. Würde eine Maschine einen Defekt haben oder aus anderen Gründen ersetzt werden, hätte ich noch immer genügend Alternativen, um endlich auf einer Boeing 727 zu fliegen.


Mit diesem Strauss an Flügen trat ich dann ans Reisebüro Iran Traveling Center (das den 747-Rundflug organisierende Reisebüro PTA war heillos überlastet), und wurde dort sehr nett und zuvorkommend behandelt. Zwar wunderte sich auch deren Agentin mehrfach, was ich denn mit all den Flügen wollte, und sagte voraus, dass solche Buchungen unweigerlich den „Airport Intelligence Service“ auf den Plan rufen würden. Aber ich fasste mir ein Herz und liess sie die Flüge trotzdem buchen. Fingers crossed...!





Tag 1: Los geht's!

Im A300 von Frankfurt nach Tehran

Endlich war der grosse Tag gekommen. Nachdem mein Reisekollege René und ich am Abend zuvor schon in knapp vier Stunden nach Frankfurt gefahren waren und eine Nacht im Flughafen-Hotel verbracht hatten, standen wir nun vor Check-in-Schalter 710 des Terminals 1 im Frankfurter Flughafen. Die junge Check-in-Mitarbeiterin, selber Iranerin, staunte nicht schlecht, dass wir – ohne Notwendigkeit eines Geschäftstermins oder eine Familienfeier – „einfach so“ in den Iran reisten. Sie war aber sichtlich begeistert und meinte, junge Leute die ihr Heimatland touristisch bereisten, gäbe es leider viel zu wenige. Dass der eigentliche Grund unserer Reise ja grundsätzlich aviatischer Natur war, liessen wir geflissentlich aus. So wunderte sie sich einfach, wieso wir mit einem punktgenauen Sitzwunsch an sie herantraten (bitte auf der linken Seite hinter dem Flügel am Fenster, am besten zwischen 27A und 30A), und rollte die Augen, als ich begründete, wieso mir ihr vorgeschlagener Platz 27H am rechten Fenster weniger gut gefiel (Gegenlicht und nervige warme Sonne). Schlussendlich mussten wir dann aber doch mit jenem Platz Vorlieb nehmen, denn alle anderen Fensterplätze waren schon belegt (während die Mittelreihen fast alle leer blieben). Naja, immerhin handelte es sich bei Reihe 27 um den Notausgang.

 


 

Bereit für unser Abenteuer vertrieben wir uns die Zeit, indem wir mit dem SkyTrain fuhren – aus dem einfachen Grund, um unsere bereits am Gate geparkte Maschine aus der Vogelperspektive abzulichten.

Netterweise führte uns die Bahn ins Terminal 2, wo einige Essensgelegenheiten warteten. Und so entschieden wir uns für eine komplett Anti-Iranische Henkersmalzeit – einmal die „Wurstplatte Germania“ für mich, und eine Mass Bier für Kollege René. Wir hofften beide, dass die iranischen Sittenwächter uns angesichts unseres frivolen Konsums noch nicht über die Schultern schauten, und dass die Drogenspürhunde am Flughafen Teheran nicht auf die entsprechenden Alkohol- und Schweinefleisch-Ausdünstungen ansprechen würden.

45 Minuten vor Abflug wurde schliesslich das Boarding ausgerufen, und wir begaben uns eilig zum Gate C4. Hier wurde schon eifrig geboardet und man war bestrebt, den Flieger schon vor dem Flugplan rauszuschicken. In der recht modern anmutenden Kabine – an der Mittelwand war gar ein neuer Flachbildfernseher japanischen Fabrikats angebracht – begrüsste uns die sonore Stimme eines Mullahs, welcher in ruhiger Tonlage ein Gebet zum Besten gab:
Gleich darauf begrüsste uns auch die Purserin mit den Worten „In the name of God the compassionate and the merciful, welcome on board Iran Air Flight 720 to Tehran“. An göttlichem Segen mangelte es also definitiv nicht. Und wahrlich, kurze Zeit später startete unser erster Flug an Bord einer iranischen Maschine – ganze zehn Minuten zu früh (!).

 

Schliesslich begaben wir uns auf der Weg zur Startpiste 18. Der Weg führte uns vorbei an Airbus' neustem Flaggschiff - 18 Jahre und zwei Generationen trennen die beiden Flieger - und auch an dem Frankfurter Riesenspiegel

Kaum waren wir (ohne Flaps übrigens) von Piste 18 abgehoben und waren bei 18‘000 Fuss die Anschnallzeichen erloschen, sprinteten die Flugbegleiter – trotz Leibesfülle hier und Schleiergewänder da – ausgesprochen flink in Richtung Bordküche, und warfen bald mit gut gefüllten Snackboxen um sich. Es sollte während der 90 Minuten Flug bis zum Tankstopp in Belgrad ja bitte niemand verhungern. Enthalten waren Nüsschen, Cracker mit süssem Weintraubenextrakt, sowie ein sehr schmackhaftes Geflügelsandwich – komplett mit Salatblättern und Gürkchen.

Die unter dicken grauen Wolken versteckte serbische Hauptstadt erreichten wir planmässig, Wir rollten zu einem Aussenstandplatz, wo bereits ein Tankwagen wartete. Offenbar erhält nämlich Iran Air aufgrund der Embargos von einigen westlichen Ländern wie Deutschland keinen Sprit (weshalb auch Lufthansa in Tehran keinen kriegt). So verlässt der A300 also bis unter den Deckel getankt am Morgen seine Heimat Tehran, fliegt direkt nach Frankfurt, und von da mit dem Restsprit weiter nach Belgrad. Alles mit der gleichen Crew an Bord übrigens, was auch nicht ohne ist. Um 4 Uhr morgens werden die Piloten meist zuhause abgeholt, knapp vor Mitternacht sind sie wieder im trauten Heim. Nur auf den Amsterdam- und London-Strecken wird ihnen ein Aufenthalt an der Destination gegönnt. 

 

 

Während des einstündigen Ground Stops kamen wir mit zwei in Deutschland wohnhaften, älteren iranischen Herren ins Gespräch, und schon zehn Minuten später waren wir nicht nur zu einem Picnic mit deren Familie eingeladen, sondern auch mit „Notrufnummern“ für sämtliche persischen Grossstädte, in Form der Handynummern entfernter Onkel und Tanten, versorgt. „Für alle Fälle“, wie unsere neuen Freunde meinten. Da war sie also erstmals, die viel gerühmte iranische Gastfreundschaft!
Vor lauter Gebrabbel überhörten wir glatt das Einschalten der Anschnallzeichen, und huschten flink an unsere Plätze, als wir Triebwerk #2 wieder hochfahren hörten. In der mittlerweile hereingebrochenen Dunkelheit rollte der Flieger nun zur zurück zur Piste 30, und schwang sich dann abermals in die Luft. Nur 3:30h Flug standen nun auf dem Programm, bis wir die iranische Hauptstadt erreichen würden.


Nach einer halben Stunde stand schon wieder einer unserer Gastgeber in Uniform mit einem reich bedeckten Tablett vor uns. Schon wieder was zu Essen – hier gefällt’s mir! Diesmal wurde Reis mit Hähnchen oder Rind kredenzt, dazu ein leichter Salat, eine Tsatziki-Sauce sowie ein leckerer Schokokuchen mit Marmelade und Marzipan. So lässt es sich leben!


Gut gefüllt verbrachte ich die verbleibenden 90 Minuten damit, schon einmal diverse Pendenzen zu erledigen – Fotos auf den Laptop kopieren, Bericht schreiben – denn uns erwartete in Tehran mit drei Stunden eine ausgesprochen kurze Nacht. Ich kam aber auch nicht umhin, einen Blick ins Bordmagazin zu werfen – wo das Wenige, was ich überhaupt lesen konnte, eine ungekannte Masse an Schweizer Uhrenwerbungen war. Doch auch die Berner empfahlen sich mit ihrer Kernkompetenz, und René folgte ihnen subito ins Traumland

Die Ankunft am modernen internationalen Flughafen Imam Khomeini 50km westlich der Stadt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Die Einreise dauerte 30 Sekunden, das Warten auf die Koffer fünf Minuten, und schon waren wir drin im Iran. Wir erspähten einen Boten des Reiseveranstalters, der uns und zwei weitere Passagiere des Frankfurt-Fluges in Empfang nahm. Die stündige Fahrt ins Zentrum, im mit fünf Personen und vier Koffern völlig überladenen Kleinwagen, war dann nicht mehr ganz so angenehm.

Doch nach einer Stunde Sardinenbüchsenfeeling erreichten wir schliesslich unsere Bleibe für die nächsten fünf Tage: Das Ferdowsi Grand Hotel, eines der besten Häuser der Stadt. Wir spekulierten noch kurz über den Zweck der eigenwilligen Deckenverkleidung in der Lobby (das gezielte Eliminieren unliebsamer Hotelgäste per Fallobst-Taktik vielleicht?), und zogen uns dann für zwei Stunden Schlaf in die leicht kitschig eingerichteten Zimmer zurück.

 


 

Tag 2

Mit der Boeing 727 nach Mashhad

Der Wecker klingelte bereits um 03.55 wieder, entsprechend missmutig stiegen wir aus dem Bett. Eigentlich hätten wir ja erst um 11 Uhr unseren ersten Versuch unternommen, die Boeing 727 zu erlegen - auf dem Weg in die Pilgerstadt Mashhad. Doch am Vortag kam von meiner Kontaktfrau im Reisebüro die Whatsapp-Nachricht, dass jener Flug gecancelt worden sei. Flugs buchte sie uns jedoch auf den Frühflug um, welcher mit dem selben Typ im Flugplan stand - nur halt eben schon um 06:45 Uhr. Tja, zurückgebliebener Iran hin oder her: So schnell und unkompliziert habe ich noch nie einen Flug gebucht!

Die Aussicht auf unsere begehrten Boeing 727-Flüge liess uns dann doch einigermassen schnell aus den Federn steigen. Eine Viertelstunde später hatten wir am Hotel einen lustigen Taxifahrer gefasst, welcher uns im Eiltempo an den Tehraner Stadtflughafen Mehrabad brachte – hier werden sämtliche Inlandsflüge abgefertigt. Für die sieben Kilometer benötigten wir zu dieser Zeit gerademal 15 Minuten (tagsüber sollte die Fahrzeit auf über eine Stunde anwachsen). So waren wir entsprechend zu früh am Airport und konnten einen ersten Rundumblick des Terminals nehmen - und das kannst auch du, denn beim Bild unten handelt es sich um ein 360-Grad-Panorama. 

Danach setzten wir uns erstmal ins Café. Als die Belegschaft erfuhr, dass wir Schweizer waren, wurden wir sofort mit einem entsprechenden Fähnchen begrüsst – ein toller Einstand! Noch viel besser wurde es, als der Check-in-Schalter öffnete: der Agent mochte uns, und gab uns genau die gewünschten Sitzplätze zwischen Flügel und Triebwerk, welche wir auf die Buchungsbestätigung gekritzelt hatten: 25A, 26A, 27A. Das Abenteuer konnte beginnen!
(man betrachte die Jacke genauer - in jeder Brusttasche sind 4 Speicherkarten versteckt, um im Fall der Fälle gemachte Fotos schnell in Sicherheit bringen zu können).

Dann ging es durch die geschlechtergetrennte Sicherheitskontrolle in den Abflugbereich. Eine grosse Halle mit vier oder fünf Ausgängen, die genau das Flair eines Busbahnhofes hatte. Entsprechend geschäftig ging es darin zum Tagesbeginn auch zu und her.

 

Mit fünfminütiger Verspätung wurde dann auch unser Flug nach Masshad geboardet. Juhui! Und da steht tatsächlich eine 727 bereit, genauer die B727-228 EP-ASA mit Baujahr 1980.

Bus um Bus wurde zur Maschine gekarrt, und schliesslich war sie bis auf den letzten Platz gefüllt. Und dann konnte unser Flugtag endlich losgehen!


 

 

 

Dann wurden nacheinander die drei Triebwerke im Heck angelassen, was für einen entsprechend schönen Klangteppich sorgte. Schliesslich rollten wir an vielen leckeren Inlandsfliegern vorbei zur Piste 29L. Dann intensivierte sich der Sound, die drei P&W JT8D-Triebwerke wurden entfesselt, und stiessen unsere 727 schliesslich an den gut gefüllten Militär-Vorfeldern vorbei in den Tehraner Morgenhimmel. Für eine Kostprobe des Takeoff-Sounds klicke man unten:

Es folgte eine 180-Grad-Kurve nach Osten, um Kurs auf Mashhad zu nehmen. Kaum hatten wir uns so ausgerichtet, eröffnete sich vor unseren Augen ein traumhaftes Bergpanorama: das nördlich von Tehran gelegene Alborz-Gebirge mit dem prominenten Vulkan Mt. Damavand, 5‘671m hoch.

Auch im weiteren Verlauf des Fluges waren viele landschaftlich ansprechende Abschnitte auszumachen!

Doch die Aufmerksamkeit galt nicht nur den Szenen vor dem Fenster - drinnen buhlte ein leichtes Frühstück um unsere Gunst, und hatte angesichts unseres Bärenhungers auch nur sehr geringe Überlebenschancen. Mjam!

Nicht mehr ganz mjam war das Wetter rund um Irans zweitgrösste Stadt Mashhad, in welches wir bald darauf eintauchten. Eine trübe Wolken- und Nebelsuppe hiess uns hier willkommen. Aber alles egal, die 727 war im Kasten und die Fotos auch! 

Umso eindrücklicher präsentierte sich dafür das erst kürzlich fertiggestellte, neue Terminal. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Mashhad ist eine der sieben heiligen Stätten des schiitischen Islams, und empfängt entsprechend über 20 Millionen Pilger pro Jahr – und denen möchte man ja auch etwas bieten.

 

Speed-Sightseeing in der Pilgerstadt Mashhad

Die grosse spirituelle Bedeutung der Stadt trifft einem bereits am Flughafen: gleich gegenüber des Terminals steht diese nette Moschee. 

Doch wir wollen mehr, und lassen uns deshalb per Taxi ins Stadtzentrum bringen. Irgendwo hier soll der zweitgrösste Moscheenkomplex der Welt warten, der Schrein des Imam Reza. Naja, einfach mal dem ...ähhm... schwarzen Block nach, die werden den Weg wohl wissen. 

Aha, gefunden! 

Leider wird Nicht-Muslimen eine mehrstufige Zutrittsodyssee aufgedonnert, welche gar die Kontaktaufnahme mit dem Innenministerium und viele weitere bürokratische Hürden beinhaltet. Zuviel für unsere vier Stunden Turn-around, und so begnügen wir uns damit, von den diversen grossen Eingangsportalen ins Innere zu kiebitzen. 

Aber ja, schön wäre die Architektur ja schon! 

Viel eher willkommen sind wir auf dem Bazaar gleich nebenan, wo den Pilgern alles Nötige und Unnötige feilgeboten wird. 

Von einigermassen normalen Dingen wie Gewürzen, Tüchern, Süssigkeiten und der lokalen Spezialität Saffran gibt es hier alles zu kaufen...

 

...aber auch wer auf der Suche nach Medizin, Parfums oder Kinderpuppen ist, und dem dabei spontanerweise in den Sinn kommt, dass er noch Vorhängeschlösser braucht, kommt hier auf seine Kosten. 

Leider müssen wir dieses farbenfrohe Labyrinth, welches mit tausenden Eindrücken auf einmal aufwartet, schon zu bald wieder verlassen und den Rückweg in Richtung Airport antreten. Wir lernen dabei, dass man Rolltreppen keine Fusstritte verpassen darf, sich aber andererseits mit dem Tschador oft gerne darin verheddert. Auch lernen wir auf unserer Taxifahrt das iranische Auto schlechthin kennen, den Paykan aus dem Hause Iran National. Und zu guter Letzt merken wir im Flughafen-Shop, dass es auch das Matterhorn unseren persischen Freunden angetan zu haben scheint. 

 

"Nur" per 727 zurück nach Tehran

 

Für den Rückflug nach Tehran hatten wir gleich zwei Flüge gebucht. Zum einen natürlich eine B727 von Iran Aseman, denn um die ging es ja eigentlich. Als Alternative, für den Fall, dass wir die 727 schon am Morgen erwischen würden, allerdings auch noch einen alten Airbus A300-B4 von IranAir. Doch auch zu diesem Flug kam wieder eine Mail von IranAir - wir wurden einfach so auf einen Zusatzflug eine halbe Stunde früher umgebucht, welcher mit A320 im Flugplan stand. Das war natürlich gar nicht nach unserem Geschmack, doch eine abermalige Umbuchung war nicht mehr möglich. Doch war es wirklich ein A320? So reihten wir uns also in die Schlange am IranAir-CheckIn ein. Als wir an der Reihe waren, fragten wir den Agenten nach dem Flugzeugtypen und es entspann sich folgender Dialog:
"Ja, hier steht A320". 
"Okay, dann möchten wir den Flug nicht antreten und nicht einchecken"
"Ich brauche Ihre Pässe, um Sie einzuchecken"
"Nein, wir möchten nicht einchecken"
"Sie haben kein Gepäck einzuchecken?"
"Nein, wir möchten gar nicht für den Flug einchecken. Kein Flug. Danke"
Der arme Mann wusste wirklich nicht, wie ihm da gerade geschah, und wird sich wohl bis heute fragen, was diese zwei Fremden gegen moderne Airbus-Flugzeuge haben.

Tja, und so griffen wir halt "notgedrungen" auf unsere 727 zurück - ist ja auch keine schlechte Wahl. Hier kehrt sie gerade von der zwischenzeitlichen Rotation nach Zahedan (ein Hotspot im iranisch-afghanisch-pakistanischen Dreiländereck, sozusagen der EuroAirport des Nahen Ostens) zurück. Wie viele Drogen sie gerade durch die Lüfte fliegt bleibt ein Rätsel, aber immerhin sind keine Einschusslöcher zu sehen. Praktisch, denn wir wollen mit ihr zurück nach Tehran fliegen - nur ja nicht mit dem Airbus. 

 

Rückflug nach Tehran

Wenig später fährt ein Bus die bloss 40 Passagiere zum Flieger, und alsbald kann die Reise losgehen. Etwas flinker als noch am Morgen, aber trotzdem einigermassen behäbig, steigen wir von Mashhads Piste in den noch immer trüben Himmel.

Unterwegs erwartet uns die nächste Verpflegung - die ist herzlich willkommen, denn bisher hatten wir uns seit Frankfurt erst von Airline Meals ernährt. Heute Nachmittag wird staubtrockenes Hühnchen mit einem Gemüse-Omlett gereicht - ein Gericht, welches wir auch am Folgetag noch zweimal antreffen und entsprechend mit der Zeit etwas zu verabscheuen beginnen sollten. 

Da in der Kabine nicht viel los war und die Crew bald einmal Däumchen drehte, fragte ich einen Flight Attendant, wie es denn so mit einem Cockpit-Besuch aussähe. Bald kam er mit der freudigen Botschaft wieder, dass ich gerne nach vorne gehen dürfe - einfach ohne die grosse Kamera, nur mit dem Handy. Im Cockpit wurde ich von der Besatzung äusserst freundlich empfangen, mit Tee und Süssigkeiten eingedeckt, und eingeladen, die verbleibenden 30 Minuten des Fluges auf dem Jumpseat zu verbringen. So geht Gastfreundschaft!

Da mit dem Handy keine allzu guten Bilder zu erwarten waren, beschränkte ich mich auf eine Aufnahme, und genoss dann das Gefühl, in diesem ikonischen Flieger über das Häusermeer der 16-Millionen-Metropole Tehran anzufliegen. Der Captain erwähnte auch, dass sie normalerweise mit Mach 0.81 flögen, und er stets Flaps 30 zur Landung benütze. Von den Sprit-Anzeigen konnte ich zudem ablesen, dass nach der Landung gesamthaft 17,4 Tonnen Sprit verbraucht worden waren. Das gilt allerdings für die ganze Rotation Tehran-Mashhad-Zahedan-Mashhad-Tehran, da dazwischen nie aufgetankt wurde. Gleichwohl würde ein voller A320 auf selbiger Strecke nur 12-13 Tonnen verbrennen. 

 

Nach diesem wunderschönen Erlebnis kehrten wir totmüde ins Hotel zurück. Zwar wäre noch Sightseeing geplant gewesen, doch die Betten waren einfach zu einladend. Und morgen ist ja auch noch ein Tag! 




Tag 3

Und täglich grüsst...Mashhad per 727!

Nach einer wiederum äusserst kurzen Nacht schlurfen wir um 04.15 Uhr wieder aus dem Hotel und treffen...genau, wieder unseren schrulligen Taxifahrer von der Nacht zuvor. Dieser schaute drein, als hätte er ein Gespenst gesehen. Jetzt hatte er uns doch vor 24 Stunden schon zum Flug nach Mashhad gefahren - und nun standen wir schon wieder vor ihm? Als er sich schliesslich erholte und uns fragte, wo wir denn heute hinflögen, verschwiegen wir, dass es erneut in die Pilgerstadt ging. Stattdessen nannten wir "Ahwaz" - eine weitere Destination des heutigen Tages. Seine Verwunderung blieb dennoch bestehen...

Trotz allem, nach abermals 15 Minuten stehen wir wieder am altbekannten Ort: dem Eingang zum Terminal 4 des Tehraner Flughafens Mehrabad. Diesmal haben wir unsere Ankunft besser getimed und kommen just an, als der Check-in-Schalter für unseren heutigen Flug nach Mashhad aufgeht. Wiederum fragen wir nach den Plätzen zwischen Triebwerk und Flügel. Der Agent hat zwar Verständnis, kann aber auch nichts machen – weil die Maschine fast leer ist, sind diese Sitze geblockt. Gut, das nehmen wir auch :-). Am Schalter nebenan wird derweil die Maschine in die Erdölstadt Ahwaz eingecheckt. Diese soll uns später in Mashhad aufgabeln, und dann via Ahwaz wieder zurück nach Tehran bringen – fingers crossed!

Heute stehen also sogar zwei verschiedene Regis auf dem Speiseplan. Und die erste Maschine heute ist denn auch gleich eine „neue“ für uns: EP-ASB, Baujahr ebenfalls 1980, ist sie 20 Tage jünger als die gestrige EP-ASA, welche gleich vor ihr gebaut worden war.




Dann mal rein in die gute Stube!

Perfektes Timing, soeben geht über dem betriebsamen Vorfeld die Sonne auf. Wiederum rollen wir nach Osten zur Piste, wenden, und dann geht es mit voller Kraft in Richtung Westen los...

Dann folgt die Kurve zurück nach Osten – diesmal mit Sonne zum geniessen...

...und dann der Damavand-Blick. Jaaa, er steht immernoch :-)

Danach steht eine kurze Erkundungstour des hinteren Kabinenteils an (das trockene Hühnchen kennen wir ja bereits, das hält uns nicht mehr auf den Sitzen...) – den geringen Loadfactor muss man ja schliesslich ausnützen!

Ein Überblick von ganz hinten - und was es da sonst noch so zu sehen gibt...

 

Doch auch landschaftlich gibt's wieder einiges zu sehen, zumal das Wetter heute noch besser ist, als am Vortag. 

Wirklich eindrückliche Bodenbeschaffenheiten! 

Auch die klassische Ansicht ist schön...

...und kriegt gleich noch das i-Tüpfelchen obendrauf, als wir im Sinkflug Richtung Mashhad diese Schneeberge überfliegen. Ein Traum! 

Schon sind wir im Endanflug für Mashhad, wo heute auch die Wintersonne scheint. Nett so! 

Wer möchte, findet hier auch noch ein Video des Anfluges, gedreht von meinem Reisepartner René. 

 

Einmal ab durch's Heck (Kollege Leuchtweste winkt schon "no photo",
aber da ist er zu spät :-))...

...und dann aus dem Bus noch die volle Breitseite. Doch, dieser Flug hat sich gelohnt! 

Und bald steht schon der nächste an. Dazwischen versuchen wir noch, zu einem Park zu fahren, um unsere Maschine beim Start abzulichten. Doch der Taxifahrer versteht hinten und vorne nicht, wo wir hinwollen, und schon gar nicht, wie man denn da hinkäme. So fahren wir also 40 Minuten kreuz und quer über Mashhads Autobahnen und Landstrassen, viermal am Ziel vorbei – und schliesslich, mit einem leicht in seiner Berufsehre gekränkten Fahrer, zurück an den forud-gah – den Airport, das einzige Wort, das er wirklich zu verstehen scheint.

 

Via Ahwaz zurück nach Tehran

Dort treffen wir auf einen Check-in-Agenten, dessen Verständnis ähnlich limitiert zu sein scheint. Unseren niedergeschriebenen Sitzplatzwunsch ignoriert er komplett, obwohl er sämtliche Hinweise darauf stets mit „yes, yes“ beantwortet. Immerhin gibt’s einen Fensterplatz, einfach auf der falschen Seite. Wir machen uns auf durch die Sicherheitskontrolle, und ich finde ein Plätzchen, wo es sich ganz nett fotografieren lässt. Während 20 Minuten rollt mir dieser Verkehr hier vor die Linse:

 

Dann kommt schon der Flieger für den Weiterflug angerauscht – tadaaa, wieder die EP-ASA, unsere Maschine vom Vortag – total vier Flüge würden wir also bis zum Ende in ihr sammeln.

Diesmal ist der Flug wieder ausgebucht - ja, wir erspähen sogar einen Passagier mit Sequenznr. 177, wobei es doch nur 172 Plätze an Bord gibt. Egal, einfach mal rein mit der Meute...

Bis jedes Schäfchen an seinem Platz ist dauert es eine ganze Weile, doch dann geht es ab in Richtung Ahwaz und Tehran.


Leider haben wir den ganzen Flug über Gegenlicht, erst im Sinkflug eilt uns Ahwaz' "claim to fame" zu Hilfe: die Stadt, welche nur 70km von der irakischen Grenze entfernt liegt, soll gemäss WHO über die schlimmste Luftverschmutzung auf der ganzen Welt verfügen. So ist es dann überall seeeehr dunstig, aber immerhin erkennen wir Ahwaz' primäre Industrie: hier wird seit über hundert Jahren nach Öl gebohrt, was den einst über 2'000 Einwohner verfügenden Ort zur Millionenmetropole werden liess. Aber davon sehen wir nix - bloss Bohrtürme, endlose Wüste, und unzählige Pipelines überfliegen wir. 

 

Am Ende der Piste drehen wir auf einen kleinen Apron ab, und kommen direkt vor diesem unglamourösen Terminal zum Stehen. Alle Mann raus! 

Für uns gilt das ganz besonders, denn in nur 40 Minuten sollen wir mit der gleichen Maschine weiterfliegen. Als wir das der Crew erzählen, sind die erstmal schockiert und ratlos. Doch schnell ist ein Ground Agent aufgeboten, der pfeift einen anderen Rampie herbei, und jener sprintet mit uns an Freund und Feind vorbei durchs Terminal zum Check-in-Desk. Und wie erwartet, das Check-in ist noch immer in vollem Gange. Trotzdem erhalten wir die Boarding Passes im Expressverfahren, und stehen drei Minuten nach dem De-Boarding schon wieder an der Sicherheitskontrolle.

Hier interessieren sich die Officers ganz besonders für uns - aber nicht etwa aus Sicherheitsbedenken, sondern weil sie noch nie im Leben von der Schweiz gehört, geschweige denn zwei lebendige Exemplare dieser Spezies vor sich gesehen haben. Entsprechend lustig geht es zu und her, und auch wenn sie sich etwas zieren - an den mitgebrachten Lindt-Schokoladen haben sie ihre helle Freude. Schön, wo man dank dieses Hobbies überall Bekanntschaften dazugewinnt! 

 

Schon wieder ist die Mühle voll, im Regen joggen die Passagiere zum Flieger, erhalten Papiertücher von der Crew (wenn wir das in Europa bei jedem Regenschauer machen würden...), und schliesslich ist jeder an seinem Platz. Wir wurden über den Flügel gesetzt - aber hachja, auch das nehmen wir. Auf geht's zum letzten 727-Flug für heute, und wohl unserem letzten 727-Flug, ja vielleicht gar dem letzten Trijet-Flug für immer?

Der 50-minütige Flug verläuft unspektakulär, wir geniessen noch einmal das Gefühl an Bord der Retro-Boeing, und natürlich die einzigartige Soundkulisse. Dann folgen ein paar letzte Kurven...

...und schon sind wir im Endanflug auf Tehran. Zurück, wo wir heute Morgen begonnen hatten! 

Beim Aussteigen schiesse ich noch kurz um mich - besonders diese Schönheit hier auf dem angrenzenden Aseman-Technik-Apron hat es mir angetan. Es handelt sich um eine 1980 für United gebaute 727, welche dann 2003 an Al Rais Cargo aus den VAE verkauft und zum Frachter umgebaut wurde. 2009 stiess sie zu Iran Aseman Air, offenbar ist sie aber bereits seit 2010 stillgelegt. 

Etwas aktiver sind diese beiden Regio-Schnuckel hier, welche ich auf den Nachbar-Vorfeldern entdeckte.

Als ich dann später mit der Kamera um den Hals aus dem Bus ausstieg und zum Terminal ging, hielt mich ein Polizist an und bedeutete, dass er die Fotos sehen wollte. Wenigstens waren nur diejenigen des Vorfelds drauf, denn ich hatte die Karte mit den Fotos der Flüge bewusst nach der Landung bereits in Sicherheit gebracht. Schliesslich meinte der Polizist "Delete All Footage", also dass ich alle Bilder löschen sollte. Ich tat wie verlangt und zeigte ihm den schwarzen Bildschirm der Kamera mit der Aufschrift "No photos on card", was ihn freute und worauf er mich entliess. Was der gute Mann nicht wusste war, dass meine EOS 7D Mark II zwei Speicherkarten fasst, und die unsichtbaren Kopien der Fotos auf der zweiten Karte unangetastet blieben. Frei nach Hannibal: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert"!

Daraus gelernte Lektionen: Fotografieren auf Irans Flughäfen ist noch immer heikel. Oft geht es gut, aber für den anderen Fall sollte man vorbereitet sein. Unbedingt viele Speicherkarten mitnehmen und oft die Karten wechseln, sowie falls möglich eine Kamera mit doppeltem Kartenslot benützen. 

Mit etwas zittrigen Knien ging es dann nicht zurück ins Hotel, sondern mit dem Taxi zu einer der neueren Sehenswürdigkeiten der Stadt: dem 2007 erbauten Borj e Milād, mit 435m immerhin der sechsthöchste Turm der Welt. 90 Minuten verbleiben noch bis Sonnenuntergang, und wir freuen uns, ihn von dort oben zu bestaunen. 

Das mit dem Sonnenuntergang wurde leider nichts, denn wir hatten die Rechnung ohne Tehrans Verkehr gemacht. Fast die kompletten 90 Minuten benötigten wir für die zehn Kilometer. Doch das Verpassen des Sunsets war nicht weiter tragisch, denn als wir auf der Aussichtsplattform ankamen, stellten wir fest: Besonders, wenn in der Dämmerung die Autoscheinwerfer wie ein Kontrastmittel Tehrans (Verkehrs-)Arterien zum Leuchten bringen, ist das ein Anblick, den man nicht so schnell vergisst. Wunderschön! 

 

 

 


 

Tag 4: Flieger im Museum und im Anflug

Nach drei intensiven Flugtagen war Tag 4 als Puffer geplant, für den Fall, dass noch kein B727-Flug funktioniert hätte. Glücklicherweise standen aber ja bereits 5 B727-Flüge im Log, und so konnten wir uns etwas der Flugzeugfotografie widmen. So verliessen wir heute zum ersten Mal unser Hotel bei Tageslicht, und fuhren per U- und S-Bahn in den Westen der Stadt. Dort befindet sich – am Nordrand des Mehrabad-Flughafens – das Tehran Aerospace Exhibition Center, Tehrans open-air-Luftfahrtmuseum mit einem guten Dutzend Schätzen der iranischen Zivilluftfahrt.

Zwar mussten wir unser DSLRs am Eingang abgeben, die kleine Powershot G1X durfte aber netterweise mit. Zuerst aber ein 360-Überblick der ausgestellten Flieger:



Prominent aufgereiht waren erst einmal diese beiden schönen 72er hier (schon wieder welche…gähn…:D). Gut, Jahrgang 64 bzw. 67 ist schon nochmal eine andere Liga.

Die beiden Maschinen dienten dem 1979 vertriebenen Schah (Hintergrund) bzw. seiner Schwester. Die vordere 727 war gar für eine Schulklasse geöffnet worden, und so hängten wir uns einfach an, um auch noch kurz den verstaubten Glanz im Innern zu bestaunen.

 

Die Schulklasse hatte übrigens auch ihre helle Freude an uns, fast genauso wie wir an den Fliegern. Als wir die Treppe der VIP-727 hinunterstiegen, wurde uns zugerufen und wir wurden bejubelt, und wir fühlten uns selbst ein wenig wie Rockstars :-)

Nicht mehr ganz so freudig ist der Anblick dieser beiden Commander – das ist wohl etwa das gängige Bild, welches die Gesellschaft zum Begriff „Propellerflieger“ vor dem geistigen Auge hat :-)

Auch diese 737-200 sieht nicht mehr ganz so taufrisch aus. Bereits seit zehn Jahren muss sie vom Museum aus mitansehen, wie ihr die teilweise älteren Tri- und Quadjets nebenan um die Ohren fliegen

Selbiges gilt für diese Fokker 28 von Iran Aseman (Baujahr 78), und die gleich alte Cargo-Queen B747-200F EP-ICC, welche bereits im Jahr 2000 stillgelegt wurde.

Weitaus illustrer ist die Geschichte dieses Tristars. Gebaut wurde er für TWA, nach zehn Jahren dort flog er noch weitere 20 Jahre für Air Atlanta Icelandic als TF-ABT. Dann wurde er von Air Universal gekauft, einer Firma aus Jordanien. Dabei trägt er aber eine Reg aus Sierra Leone, und eingesetzt wurde er wohl für diverse Kunden aus dem Mittleren Osten. Am Ende wohl Mahan Air, und deshalb ist er dann hier gelandet…

Und wer bei der Bemalung an Delta dachte: Die ebenfalls hier abgestellte Schwestermaschine 9L-LDE flog tatsächlich bis 2002 für den Carrier aus Atlanta, bis auch sie via Air Universal und diverse Untervermietungen im Iran landete…

 

Tja, es blieb auch noch Zeit für etwas Spass :-)

Dann nehmen wir ein Taxi zum nahegelegenen Azadi Squre (von René auch liebevoll Wasabi Square genannt), wo wir uns mit dem lokalen Spotter Mehrad verabredet haben. Zuerst nehmen wir aber noch ein Auge von Irans zweitgrösstem Platz und dem daraufstehenden, 50 Meter hohen Turm, der aus achttausend Marmorblöcken besteht.

Dann war es aber wieder Zeit für sich bewegende Zielobjekte. Zwei Stunden harrten wir bei stark wechselnden Wetterbedingungen im Anflug aus. Tehrans berühmtesten Spot, gelegen auf einer Fussgängerbrücke, durften wir nicht nutzen. Denn von da hat man auch sämtliche Militäreinrichtungen des Flughafens im Blick, und gerade als Ausländer dauert es dann unter Umsänden nur Minuten, bis man als Spion angesehen und abgeführt wird. So gab es halt "nur" Anflugbilder, aber auch der Standardverkehr hier ist ja durchaus recht spannend. 

Es gab aber auch zwei mittlere Highlights zu verzeichnen: zum einen eine An-74 der Revolutionsgarde (im Kopf behalten), und zum anderen "unsere" EP-ASB auf ihrem heutigen Linienkurs. Schön! 

Gaaaaanz schön war dann aber das Abschlusshighlight, welches sich schon in etlichen Meilen Entfernung mit dicken Rauchfahnen identifizierte: Die Boeing 707 mit Registration 5-8310, welche im Jahr 1976 als Tanker und Transportflugzeug für die iranische Armee gebaut wurde. Zwischenzeitlich war sie als EP-SHU bei Saha Air im Passagiereinsatz, nun fliegt sie aber wieder für das Militär. Ein atemberaubender Anblick, und gleichzeitig ein Ohrenschmaus. Ein perfekter Abschluss für diesen Tag, und ein schöner Auftakt für die speziellen Flüge am darauffolgenden Tag.

Für uns stand noch die Heimfahrt ins Hotel an.
Wiederum nutzten wir die U-Bahn - doch schon der Weg dorthin war eine beispiellose Odyssee, besonders die Überquerung des Azadi Squares zur Rush Hour. Aber wir haben es überlebt...:-)

 

Zurück in der Gegend unseres Hotels schlenderten wir noch etwas durch die Strassen, und trafen auf folgende Marktgasse - irgendwo versteckt im Häuserdickicht

Hier gab es auch ein ganzes mehrstöckiges Shopping Center für elegante Damenmode - das trägt Frau hier also unter dem schwarzen Tschador! Was im Gegensatz dazu das Idealbild der Herren der Schöpfung angeht - naja...

Einmal falsch abgebogen, und schon waren wir in der Lampenstrasse gelandet. Ohne zu übertreiben, reihte sich hier auf über einem Kilometer Lampengeschäft an Lampengeschäft. Eine wahrhaftig erhellende Erfahrung!

 

Nachdem wir uns vom Lichterschock erholt hatten, schnappten wir uns ein Taxi zum Milad Tower (schon lange nicht mehr dort gewesen...), wo wir unseren lokalen Kollegen Mehrad wieder trafen, und mit ihm sowie ein paar soeben angekommenen japanischen Fotografen ein hervorragendes iranisches Nachtessen genossen. Es war ein lustiger Abend, der bis weit in die Nacht hinein reichte...:-)
Beide Fotos © Mehrad W.




 

Tag 5: Rundflüge mit der B747SP und der An-74

Endlich steht das eigentliche Highlight des Trips an: die Rundflüge an Bord der B747SP und der Antonov An-74. Nach einem kurzen Frühstück in der versammelten Nerd-Runde im Speisesaal treten wir vor das Hotel, wo bereits ein Bus bereitsteht, um uns zum Flughafen zu bringen. 90 Minuten wurden für die 7 Kilometer zum Flughafen einberechnet - angesichts des chaotischen Verkehrs eine weise Entscheidung.

 

 

Der Rundflug mit der Boeing 747SP EP-IAC

Pünktlich erscheinen wir im Terminal 2 des Flughafens Mehrabad. Hier hat Iran Air bereits mit der grossen Kelle angerührt: zwei eigene Check-in-Schalter mit speziell kreierter Dekoration stehen bereit. Hier erhält jeder Teilnehmer einen Boarding Pass sowie einen Ausweis für um den Hals – damit man die seltsamen Schäfchen auch gut wieder identifizieren kann :-)

 

Flugs geht’s durch die Sicherheitskontrolle – die Officers machen ganz schön Augen ab all dem Foto-Equipment, was ihnen durch die Röhre flutscht, aber sie halten sich vornehm zurück. Nur Stative werden eingezogen (aber später wieder retourniert).



Airside angekommen, sprinten alle Spotter sofort zur Raucherkabine. Ein Haufen Süchtiger? Keinesfalls, aber von da geniesst man den besten Blick aufs Vorfeld. Denn wie man hört, soll sich unsere 747 gerade auf einem Testflug befinden, und sie wird jede Minute zurück erwartet. Und tatsächlich, da ist sie schon!

Während einer knappen Stunde warten wir im Terminal, bis die alte Lady bereit ist für den Rundflug. Diese Zeit nutze ich, um aus dem Terminal heraus den rollenden Verkehr festzuhalten. Die iranischen Spotter reiben sich verwundert die Augen: Fotografieren aus dem Terminal in Mehrabad, mit Blick auf den Militärapron, das sei ansonsten ein riesengrosses No-Go, was sie sich nie trauten. Und nun hängen da 20 Ausländer mit ihren grossen Objektiven an den Scheiben...
Aber wir blieben tatsächlich unbehelligt, und es lohnte sich durchaus. Man beachte auch die Flieger auf dem Mil-Apron im Hintergrund...!

Nach einem sehr langwierig verlaufenden Boarding macht sich endlich der erste Bus auf zur Maschine. Und da erwartet uns eine prächtige Aussicht!

Zeit, die EP-IAC genauer unter die Lupe zu nehmen. Die B747SP-86 mit Seriennummer 307 wurde im Mai 1977 direkt ab Werk an Iran Air ausgeliefert, als 18. Exemplar von insgesamt 45 gebauten dieses Subtyps. 

Der Flug war ausgebucht (hauptsächlich mit Iranern), und so dauerte es nicht lange, bis eine riesige Menschenmasse jeden Winkel des Standplatzes in Beschlag genommen hatte. So getrarnt liess es sich auch hervorragend kurz auf die abgebildete hintere Fluggasttreppe schleichen…

…denn von da aus konnte man diese Schönheit erlegen! Welch glückliche Fügung, dass wir genau neben dieser Maschine geparkt waren! Die 1976 gebaute Boeing 707 „1002“ des Government of Iran. Da würde ich ja auch gerne mal mitfliegen!

Auch diese zwei Flieger liessen sich noch schön ablichten. Quasi-Ramp-Tour in Tehran? Nicht übel! :-)

Aber zurück zu unserer Schönheit – die ist ja auch nicht zu verachten. Mittlerweile sieht sie sich im Zentrum eines riesigen Rummels. Und das mitten auf einem Vorfeld in Tehran, wo üblicherweise striktes Fotoverbot herrscht. Kann mich mal jemand kneifen? :-)

Nach geschätzten 15 Minuten auf dem Vorfeld wird es langsam Zeit, mich ins Innere der 747 zu begeben. Von der Treppe aus konnte ich gleich noch einen weiteren speziellen Flieger erlegen: die Falcon 20F „0110“ der iranischen Polizei. Diese war für ein Air-2-Air-Shooting mit unserer 747 vorgesehen. Doch just, als wir dann starteten, musste die Falcon landen, weil ein dringender Minstertransport anstand. Was für ein Pech!

 

Von alldem bekamen wir nichts mit. Voller Vorfreude und Nervosität nahm jedermann Platz, und lauschte dem Hochfahren der Triebwerke. Dann rollten wir mit beträchtlicher Geschwindigkeit zur Piste, und linierten auf. Es konnte losgehen!

Die vier Pratt & Whitney PW JT9D-7F entfalteten ihre volle Wirkung, und schoben uns nach kurzem Anlauf in die Luft – inklusive prächtigem Ausblick auf Tehrans Ramp

Wir steigen höher, und das Museumsgelände sowie einige nordwestliche Stadtteile kommen in Sicht. Auch die Foto-Falcon ist sichtbar, kurz bevor sie sich verabschieden musste...

Schon bald wurden die Anschnallzeichen gelöst, und 300 Verrückte sprinteten in der Kabine umher. Hinten war es dabei vergleichsweise ruhig, weil sich der Mob in Richtung Front bewegte. 

Hier traf man die Spezies Spotter beim Jagen und Beten an - ein besonders bekanntes Exemplar wurde gar in seinem natülichen Habitat, der Business Class, aufgeschreckt :-)

Das schlimmste Gedränge war allerdings auf der schmalen Wendeltreppe in die obere Etage zu verzeichnen. Freilich ging es den Leuten nicht um die paar Sitze im Oberdeck, sondern um diesen Ausblick hier! 

Flying History! 

Nach dem ganzen Trubel suchte ich mit Blicken auf den eleganten Flügel etwas Entspannung...

Als die Meute schon wieder für den Anflug festgezurrt war, wurden noch kleine Geschenke ausgehändigt - in diesem Fall eine Prise Saffran in einem niedlichen Böxchen; das teuerste Gewürz der Welt wird traditionellerweise im Iran angebaut

Die gute Stunde in der Luft verging viel zu schnell; schon sind wir wieder auf dem ILS der Piste 29L aufliniert, und schweben über das unendliche Häusermeer der Metropole Tehran. Ein unvergesslicher Anblick! 

Prominent zu erkennen ist der Milad Tower im Hintergrund, von welchem die Nachtfotos weiter oben stammen

Zurück am Standplatz will die Meute schon wieder nach draussen rennen - doch haaaalt, so einfach geht das nicht. Im Iran verlässt keiner ein Flugzeug, ohne dass er wenigstens einmal verköstigt worden wäre. Und wenn halt der human traffic in der Kabine keinen Service in der Luft erlaubt, wird jener einfach nach der Ankunft durchgeführt. Basta! :-)

Dann war es aber endgültig soweit: wir mussten aussteigen und der eleganten und rüstigen Lady liebewohl sagen. Ein schöner Abschied, mit etwas Sonne im perfekten Moment. Danke!

Nach diesem wunderbaren Erlebnis brachte uns der Bus zurück ins Terminal, wo wir mit prall gefüllten IranAir-Geschenktüten verabschiedet wurden. Darin enthalten waren unter anderem ein schönes Zertifikat des Fluges, ein Papierticket sowie eine sehenswerte IranAir-Decke. Iranische Gastfreundschaft halt!

In der Antonov An-74 der Revolutionsgarde


Doch das Extra-Zückerchen stand ja erst noch bevor. Ein iranischer Spotter hatte es angesichts der bevorstehenden Invasion von Fliegerfans nämlich fertiggebracht, eine Antonov An-74 für einen Rundflug zu chartern. Und die stammte nicht von irgendwem, sondern von der Revolutionsgarde – also der paramilitärischen Organisation, welche seit der islamischen Revolution 1979 das islamische System im Innern des Landes schützen soll, sich aber auch im Ausland immer wieder kämpferisch engagiert. 


Im Terminal erhielten wir einen Boarding Pass der Pouya Air, sozusagen dem zivilen Arm der Revolutionsgarde, unter welchem sie Il-76 und An-74 für Frachtcharter anbieten. Dann ging es mit dem Bus in Richtung Apron der Revolutionsgarde, ganz im entfernten Eck des Airports gelegen. Das kam einmal mehr einer hübschen Vorfeldtour gleich, und solange wir noch auf den zivilen Aprons unterwegs waren, durften wir auch noch fotografieren. Leider waren nur diese zwei Maschinen hier einigermassen fotogen abgestellt. Wie unschwer zu erkennen ist, stammt das Exemplar rechts aus Beständen der Aeromexico - im Jahr 2008 verliess die damals XA-TLH registrierte Maschine dann deren Flotte.

Auf den Militärvorfeldern herrschte dann striktes Fotoverbot, was extrem schade war, denn da standen zahlreiche Il-76 und An-74 im perfekten Licht.
Schliesslich erreichten wir dann "unsere" An-74 – mit Jahrgang 98 das jüngste, aber gleichzeitig auch das speziellste Flugzeug des Trips. Alle Mann rein!

Drinnen gab es nicht allzu viel Platz, und auch nur vier kleine Fenster - aber was macht man nicht alles, um einen seltenen Typen zu loggen! :D

Dank Panoramafunktion war immerhin ein Gruppenbild möglich :-)

Ansonsten musste ich mich während des Fluges auf Stilstudien des Inneren beschränken...

...oder so dachte ich zumindest. Denn kaum waren wir Tehran entstiegen, hiess es, dass nun alle Personen das Cockpit besuchen dürften. Im Iran, an Bord eines militärischen Transportflugzeuges wohlgemerkt. Aber tatsächlich, kurz später stand ich vorne, und schaute den fliegenden Revolutionären über die Schultern! 

Dank der Cockpit-Besuche kam ordentlich Bewegung in die Kabine, und auch wenn es etliche akrobatische Manöver erforderte um über Sitze, Beine und Kabel zu klettern, ermöglichte dies einen kleinen Rundgang. Am hinteren Kabinenende konnte man nämlich in Richtung Frachtluke sehen - auch nicht schlecht. Besonders in meinem Fokus stand aber das hintere rechte Fenster, denn im Anflug auf Tehran würde dieses die besten Ausblicke ermöglichen. 

Bloss: ganz alleine war ich mit dieser Idee auch nicht! Kollege Revoluitionsloadmaster da hinten fragt sich zwar bestimmt, welche Horde Verrückter er da aufgelesen hat - trotzdem bleibt er ruhig, und bleibt bis zur Landung adrett gekleidet an seinem Plätzchen stehen. Anyway - wir alle geniessen die schöne Aussicht, und diesen einmaligen Flug! 

Und dank etwas Teamwork unter den Fotografen konnte schliesslich jeder das ersehnte Sujet auf seinen Chip bannen: den letzten Anflug über die Metropole Tehran, mitsamt dem An74-Flügel im Bild. So etwas wird man wohl nicht oft sehen! 

Auf der Rückfahrt zum Terminal ging das Fotoverbot in der allgemeinen Ekstase irgendwie etwas unter, und so konnte ich einen kleinen Teil der passierten Flieger doch noch auf den Chip bannen. Viel zu verbergen gab es aber eh nicht, wir sahen hauptsächlich Flieger der Pouya-Air-Subflotte. Der Schriftzug auf dem linken Bild sieht aber irgendwie ziemlich handgemacht aus - Stichwort Höhenunterschiede der Buchstaben...:-)

 

Darauf passierten wir auch das Vorfeld der Regierungsflieger, und beide 707 waren fast zum Greifen nah. Welch ein schöner Abschluss dieses grandiosen Tages!





Tag 6: Die Heimreise

Noch einmal verbrachten wir eine kurze Nacht im Ferdowsi-Hotel – die 4,5 Stunden lagen wohl so etwa im Durchschnitt dieser Reise. Dann ging’s – erneut eingepfercht in einem viel zu kleinen PKW – im Eiltempo an den Imam Khomeini Airport von den Toren der Stadt, wo wir zusammen mit einem halben Dutzend anderer Fliegerfans für den Frankfurt-Kurs eincheckten:


 

Nachdem die letzten iranischen Rials für überteuerte Süsswaren im Duty-Free-Shop deponiert worden waren, schlenderten wir zu unserem Gate 22, und entdeckten da eine alte Bekannte, die EP-IBB vom Hinflug. Sie sollte uns also auch zurück nach Europa bringen.
Pünktlich wurden wir vom Gate zurückgestossen und machten uns auf den Weg zur Piste 29R. Ein letzter sehnsüchtiger Blick zurück auf das ordentlich gefüllte Vorfeld, und dann linierten wir auf.

Mit nur 125 belegten von total 261 Sitzplätzen war der Flieger nicht allzu gut gebucht, trotzdem stiegen wir nur langsam in den leicht bewölkten Morgenhimmel. Wieso das? Tja, unser Gewicht lag mit 166 Tonnen nur fünf Tonnen unter dem MTOW. Und der Grund dafür? Natürlich, wir schleppten ja bereits den Extra-Sprit für den Belgrad-Leg mit: 30 Tonnen würden wir alleine bis nach Frankfurt verbrauchen, weitere 18 waren für den Weiterflug nach Belgrad geplant.

Mich störte das nicht - denn so ging es ansprechend tief über dieses iranische Banlieu...

Leider war der Himmel daraufhin meist bedeckt – nur an der türkischen Grenze riss die Wolkendecke kurz auf, und gab dieses ansehnliche Gebirge Preis:

Ansonsten gaben wir uns einer iranischen Liebeskomödie hin, und – natürlich – assen wiedermal. Kurz nach dem Start gab es ein leichtes Frühstück. Und gerade, als ich mich drei Stunden später bei meinem Kollegen beklagte, dass das Frühstück etwas üppiger hätte ausfallen dürfe und mein Magen bereits wieder knurrte, wurde flugs ein etwas stattlicheres Mittagessen aufgetischt. Doch doch, daran könnte ich mich wirklich gewöhnen!

Schon beim Einsteigen hatte ich den Purser gefragt, ob die Möglichkeit eines Cockpit-Besuchs bestand. Und wahrlich, kurz vor der österreichischen Grenze kam er zu mir und meinte, ich dürfe mit ihm nach vorne kommen. Vorne waren die beiden Piloten – beides Kapitäne – gerade ins Anflugbriefing vertieft, und auch danach nicht wirklich ausserordentlich gesprächig. So beliess ich es bei einem Foto, und liess die Herren danach wieder in Ruhe.


Interessant sind aber einige sichtbare Zahlen. So zeigen die Treibstoff-Instrumente einen Fuel Flow von ca. 2,6 Tonnen pro Triebwerk an, gesamthaft hat jedes Triebwerk schon ca. 13,2 Tonnen verbraucht. Auf dem Zettel darunter erkennt man die Berechnungen für den schweren Start in Tehran: Gestartet wurde mit Flaps 0 aber 15° Slats, und die Takeoff-Speeds lagen bei 163 (V1), 170 (Vr) und 172 (V2) Knoten. Ebenfalls ersichtlich ist, dass 22 Crewmember an Bord waren. Nicht schlecht – bei 125 Passagieren!

Wenig später startete schon der Sinkflug in Richtung Frankfurt, wir tauchten in die Hochnebeldecke ein, und landeten pünktlich – bei wenig Sicht und hoher Luftfeuchtigkeit – auf der Piste 25L. Vref soll übrigens 133 Knoten betragen haben. 

Dann musste es schnell gehen: Bereits in Tehran hatte ich den Frankfurter Flugplan studiert, und gesehen, dass Lufthansa’s „Siegerflieger“ nur etwa 90 Minuten nach unserer Landung in Richtung Washington D.C. starten würde. Leider mussten wir 50 Minuten auf den Hotel/Parking-Shuttle warten, doch dann stürmten wir in die Tiefgarage, schnappten das Auto, und fuhren zum Affenfelsen. Keine zwei Minuten nach der Ankunft stieg der Jumbo an uns vorbei. Schwein gehabt! Hier ist das mit den Schweinen ja wieder erlaubt :-)

Wenn man schonmal da ist, kann man ja auch sonst noch ein paar nette Sachen mitnehmen. Wie eindrucksvolle Heavies...

 

...asiatische Schönheiten...

...und auch den einen oder anderen Gast aus dem mittleren Osten.

Erst wenn man sieht, mit was Irans Nachbarländer so auffahren, wird einem bewusst, wie hart die Sanktionen das Land treffen. Einige Iraner, mit denen ich sprach, beklagten sich denn auch, dass sogar der kriegsgeplagte Irak ihre Heimat wirtschaftlich bereits wieder überholt habe. Sinnbildlich dafür ist, dass Iraqi Airways mit einem erst 2013 gebauten A320 glänzt...

...während "unsere" 20-jährige EP-IBB dagegen wie das alte hässliche Entlein daherkommt. Aber mir macht das nichts - ich mag Enten :-)

Und so schliesst der Bericht da, wo er begonnen hat - mit der IBB, welche sich von Piste 18 in Richtung Belgrad und Tehran aufmacht. Am liebsten würde ich ja gleich noch einmal einsteigen, und mehr von der Kultur dieses faszinierenden Landes entdecken. Aber das hat ja noch etwas Zeit - im Gegensatz zu den fliegerischen Antiquitäten sollten die architektonischen Reliquien ja noch einige Zeit erhalten bleiben. 

Dies beschliesst diesen langen Bericht aus dem Iran. Wenn ich vor der Abreise noch etwas skeptisch war, was mich Iran erwarten würde, so verflog diese Skepsis bald. Ich traf auf ein vornehmlich sehr liebenswürdiges, offenes und gastfreundliches Volk, welches sich sehr über die wenigen auswärtigen Besucher freut. Viele Iraner brennen darauf, dass sich ihr Land endlich mehr öffnet. Unwohl fühlen muss man sich als Tourist nicht. Ja, alle Frauen tragen einen Tschador oder zumindest ein Kopftuch – weil dies vom Staat so auferlegt wird. Doch je mehr sich das Land öffnet, desto weiter rutscht das Tuch nach hinten und wird zum modischen Accessoire. Und kaum war unser Flieger in Frankfurt gelandet, verschwanden 80% der Kopfbedeckungen ohnehin in der Handtasche. In Tehrans Untergrund finden dazu wilde Parties statt, wo sich an Kleidervorschriften und Alkoholverbote gleich gar niemand mehr hält. Man reist also in einen islamischen Gottesstaat, doch die Menschen, die man trifft, ticken wie du und ich – oder sind sogar noch etwas freundlicher. Die von den Medien geschürte Angst, dass man auf Horden religiöser, Waffen umherschwingender Fundamentalisten trifft, ist fehl am Platz. 

Natürlich läuft nicht alles reibungslos, und einiges dauert länger und ist komplizierter als in etablierten Reiseländern. Doch gerade das macht auch einen Teil der Faszination des Iran aus.

Natürlich bin ich glücklich, dass eigentlich alle angepeilten aviatischen Highlights so geklappt haben wie geplant, und dass ich trotz dem Schiessen vieler Fotos keine Konsequenzen erleben musste. Überrascht bin ich vor allem, was auf den beiden organisierten Rundflügen alles möglich war – Fotografieren auf dem Tehraner Vorfeld zum Beispiel, oder der Cockpitbesuch in einer Militärmaschine. Dies lässt hoffen, dass die beidseits guten Erfahrungen vielleicht in neuen Reisemöglichkeiten gipfeln, und so ganz langsam auch eine leichte Öffnung erreicht werden kann.

Ich werde auf jedenfall mit grosser Vorfreude wieder in den Iran reisen, vor allem auch, um dann hoffentlich mehr von seiner eindrücklichen Kultur und Landschaft zu sehen. 

 

 


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