Eine Jumbo-Ladung Rolling Stones - aus nächster Nähe: Auf Tuchfühlung mit Cargolux' 747 in Zürich



Wenn die Rolling Stones auftreten, ist das nicht nur konzerttechnisch ein grosser Bahnhof, sondern auch logistisch eine echte Meisterleistung.

Gespielt hatte die weltberühmte Formation am Montag in Oslo sowie gestern Donnerstag an einem Open Air in Lissabon. Während deshalb genügend Zeit geblieben war, die Bühne mit LKWs aus Norwegen in die Schweiz zu karren, musste für das gestern noch in Portugal benötigte Sound Equipment ein schnelleres Transportmittel gefunden werden. Und weil es sich dabei nicht bloss um ein paar Lautsprecher und Verstärker, sondern um eine veritable Jumbo-Ladung an Equipment handelte, musste auch entsprechend grosses Geschütz aufgefahren werden.

Welche europäische Fracht-Airline sticht durch eine reine 747-Flotte heraus? Genau, Cargolux. Und so schickten die Frachtspezialisten einen Jumbo von der Heimbasis Luxemburg aus auf die Reise, um die Fracht in Lissabon aufzugabeln und nach Zürich zu bringen. Und netterweise (grosses Dankeschön an die betreffenden Stellen!) durfte ich beim Ausladen in der Limmatstadt dabei sein :-)

Zum Einsatz kam sogar eine echte 748! Naja, so lautete zumindest die Seriennummer der 1989 gebauten Maschine (die damit nur zwei Jahre jünger ist als ich). Ansonsten präsentierte sie sich recht unspektakulär. Es handelt sich um die Ex-HL7412 von Korean Air, wo sie im Jahr 2007 in Pusan zum Frachter konvertiert wurde. 2010 wurde sie an Boeing retourniert, die sie via Lufthansa Technik an Cargolux weitergaben, wohl um für verspätet ausgelieferte (echte) 748s zu kompensieren.




So, genug gelabert. Draussen regnet’s, also rasch rein in die gute Stube! Dabei aber die Jumbo-Wingview nicht vergessen! :-)




Der Frachtraum ist noch gut besetzt, das Entladen hat erst gerade begonnen




Also nutze ich die Gelegenheit, und steige mit der Himmelsleiter...




...in den heiligen Teil der Maschine empor!




Na gut, die Kabine ist ja ganz nett (sind das der Farbe nach noch Korean-Sitze?). Aber beim Heiligtum meinte ich natürlich schon eher das hier! :-)




Ein Blick auf die Standby-Instrumente und das EICAS. Wie man sieht, befinden sich noch 13,1 Tonnen in den Tanks – damit fliegt eine Dash 8 einen ganzen Tag lang :D
Wieso die Landing Alt als 2‘000ft angegeben wird, kann mir vielleicht ein Jumbo-Jockey erklären...




Das Pedestal mit der Lower CDU, welche offensichtlich für die ACARS-Kommunikation verwendet wurde




Master controls :D




...und ohne die geht auch nix!




Wie viele Male wohl die 747 in ihrer 25-jährigen Karriere bereits die Flaps ein- und ausgefahren hat?




Ein Blick aufs EFIS, das auch für 737- und 777-Kenner sehr vertraut wirkt ;) . Man notiere die Approach oder Landing Speed von 146kts.




Zum Abschluss noch ein Blick auf die Lichtmaschine...




...sowie auf die Planungsutensilien für die Weiterreise. Eigentlich hätte die 747 bereits am späten Nachmittag weiter nach Mailand fliegen sollen. Wegen eines Streiks des dortigen Bodenpersonals blieb sie allerdings bis spätabends in Zürich, und wurde erst kurz nach 22 Uhr ausgeflogen – was auch das Einfliegen einer neuen Crew notwendig machte...




Derweil ist der Frachtraum merklich leerer geworden. Hier wird gerade die zweitletzte Palette nach hinten spediert...




...was natürlich bequem ohne Körpereinsatz von statten geht:




Uuuuund hier zischt auch schon die letzte vorbei!




Yep, Frachtraum leer, Mission beendet!




Also wieder an die frische Luft...




...und die Lady auch von aussen noch etwas genauer inspiziert :)




Ein kleiner Grössenvergleich musste auch noch sein :-)




Sprach ich vorher von Mission beendet? Keinesfalls! Was wir Flugzeug-fokussierten Aviatiker nämlich oft vergessen ist, dass ein grosser Teil der Arbeit auf das Bodenpersonal entfällt. Zwar ist alles ausgeladen, dafür ersäuft die Grande Dame nun fast in einem Meer aus Wägelchen und Paletten...




Wo man auch hinschaut, es wimmelt von Equipment!






Während die Frachtprofis damit beschäftigt sind, erstmal alle Paletten zu nummerieren und sortieren, um sie später geordnet dem Zoll und den wartenden LKWs zuzuführen, begebe ich mich auf die Suche nach Stones-Spuren (links wohl das Bühnendesign?).




Aaaaaha, fündig geworden! Was auch immer ein Distro ist – die rollenden Steine sind offenbar angekommen :D




Jaaaa, auch die Outfits haben ihren Weg in die verregnete Schweiz gefunden :-)




...und auch das ganze Tourbüro liegt in Paketform vor!




Als dann endlich alles sortiert ist, kommt dieses Wägelchen zum Einsatz...




...und macht sich mit einem ersten Paletten-Bandwurm schliesslich vom Acker.




Schliesslich ist die Fracht weg, und auch für uns wird es Zeit, der alten weissen Dame Adieu zu sagen. Danke für die Gastfreundschaft!




Von alledem bekam die Band selber nichts mit. Sie trudelte drei Stunden später in ihrer eigenen gemieteten Maschine in Zürich ein. SX-ATF (ausgeliefert 1991 als PH-BTB an KLM) gehört seit September 2012 der griechischen Airline GainJet, und wird nach einem Kabinen-Update mit 68 Business Class-Sitzen in 2-2-Konfiguration betrieben.





Damit endet die Berichterstattung dieses speziellen Tages auch schon wieder. Ich hoffe, der etwas detailliertere Einblick habe gefallen! Immerhin weiss ich nun, wieso die Preise für Stones-Tickets derart gesalzen sind...;-)

 

 

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