Fliegen mit einer GPS-Uhr
Im Sommer 2009 war ich erstmals mit einer GPS-Uhr an Bord unterwegs, um die Flüge aufzuzeichnen.
Es handelt sich dabei um eine GlobalSat GH-625m, die eigentlich zum Joggen gedacht ist. Erhältlich ist sie z.B. bei Digitec. Hauptkonkurrenz sind die Garmin Forerunner-Uhren, die wohl noch ein Stück professioneller und beliebter sind. Allerdings schienen mir diese während der Recherchen etwas zu fest auf Sport fixiert als dass sie für meine fliegerischen Zwecke interessant schienen. Was ich aber sagen muss: Sie sind wohl ganz klar etwas ausgereifter und professioneller. Bei Globalsat gibt es immernoch einige Fehlerlein. Immerhin werden aber immer wieder Software-Updates rausgelassen, und im Support-Forum ist man offen für Ideen der Kunden!
Generell bin ich mit der Uhr sehr zufrieden. Die meisten Aufgaben beim Fliegen erfüllt sie gut, obwohl sie klar nicht dafür konzipiert worden ist.
Verwendung von GPS an Bord von Flugzeugen
Die Verwendung von GPS an Bord von Flugzeugen sollte keine Probleme verursachen. Das GPS-Gerät, insb. die Uhr, empfängt nur Daten und sendet selber keine. Daher hat sie keine Möglichkeit, Instrumente im Cockpit zu beeinflussen oder zu stören. Zweitens ist die Verwendung von GPS in der Aviatik alltäglich, auch im Cockpit selber befinden sich mehrere solcher Geräte.
Schliesslich kenne ich einige Piloten, die ihre persönlichen GPS-Empfänger im Cockpit mitführen, oder ihnen bekannten Passagieren erlauben, die ihrigen dort zu platzieren. Andererseits verbieten aber viele Airlines den Gebrauch von GPS an Bord ihrer Flugzeuge. Man sollte sich also am besten vor dem Flug direkt bei der Airline vergewissern.
Ich lehne jede Verantwortung und Haftung für den Gebrauch von GPS-Geräten an Bord von Flugzeugen ab, namentlich für die Beeinträchtigung der Funktion des Gerätes, für die Wegnahme durch die Airline sowie jegliche Ansprüche von Airlines wegen Gebrauch von GPS an Bord.
Satelliten-Fix
Damit die Uhr ihre Position bestimmen kann, muss sie Verbindung zu 4 Satelliten haben. Das erste Aufbauen dieser Verbindung nach mehrstündiger Auszeit kann schon mal so 3-5 Minuten benötigen und sollte wenn immer möglich im Freien und im Stillstand absolviert werden, also bspw. vor Betreten des Flughafengebäudes.
Danach war es für die Uhr in keinem der Fälle ein Problem, die Satelliten vom Fensterplatz eines Flugzeugfensters aus wieder aufzuspüren. Meistens fand sie einige (im Bild die schwarz markierten - wie gesagt, 4 wären nötig)
Die Uhr schaffte es sogar (knapp), den Fix an einem Randplatz aber ohne Fenster (Fenster in den Reihen vor und hinter mir) zu finden und zu behalten (Arm ca. 40cm vom nächsten Fenster entfernt). Dies funktionierte sogar noch, als die Leute in den Reihen vor und hinter mir die Window Blinds runterliessen (!)
Generell war der Empfang im CRJ und in den B737 etwas besser als in der MD-11. Ebenfalls war der Empfang in der Mitte des Atlantiks nicht mehr immer möglich. Dies auf beiden Legs, also kaum Zufall. Ebenso sieht man im Bild oben, dass wirklich die meisten Satelliten eher in der Mitte der Erde rumkurven. Trotzdem hatte ich auch bei einem Platz auf der Nordseite guten Empfang.
Funktionsübersicht
Was kann die Uhr inflight, ausser die aktuelle Position jede Sekunde zu speichern?
Arbeit mit Fixpunkten
Die Uhr kann 100 Fixpunkte speichern, die man entweder direkt an der Uhr mittels Koordinaten eingeben kann (mühsam), oder via PC einspeisen kann. Diese Punkte kann man für Flüge in zweierlei interessanter Hinsicht nutzen:
- Erstens kann man einfache "go to"s oder ganze Routen (aus verschiedenen Punkten) erstellen, und beobachten, wie diese abgeflogen werden. So werden dann Distanz und benötigte Zeit zum nächsten Punkt angezeigt. Die Distanz ist bei grossen Distanzen nicht ganz so genau (etwas zu lang) - die voraussichtliche Zeit stimmt jedoch sehr gut!
- Andererseits kann man diese Fixpunkte auch als Anhaltspunkte nützen, um zu wissen, wo man etwa durchfliegt. Denn diese Fixpunkte werden auch auf dem Nav-Display angezeigt, zusammen mit der bereits geflogenen Route und dem direkten Weg zum nächsten Waypoint.
Hier zwei Bilder davon: Ganz links sieht man die Kartenansicht. Es ist ersichtlich, dass wir zwischen Manchester (EGCC) und London (EGLL) durchfliegen. Rechts im ersten Bild ist die restliche Distanz zum Punkt EHAM, also Amsterdam, ersichtlich. Das rechte Bild widmet sich nur dem Go-To. Hier wird die momentane Bewegungsrichtung und der direkte Kurs zum Punkt auf einem Kompass dargestellt. Ebenso sind Distanz und benötigte Zeit zum Punkt angezeigt (wie gesagt, ziemlich genau)
Note: Die gepunkteten Linien oberhalb von EGCC sind irgendwelche Fehler, die auf beiden Langstreckenflügen aufgetreten sind. Evtl., weil ich dabei den 0-Meridian passiert habe. In den Aufzeichnungen waren sie dann aber nicht mehr zu finden, also alles paletti!

Anzeige von Flugdaten
Sie kann unzählige verschiedene Daten anzeigen. Man kann sich dazu eigens (direkt an der Uhr) 4 verschiedene "Seiten" konfigurieren, und jede dieser Seiten mit bis zu 4 Daten füllen. Fürs Fliegen habe ich mir ein Display mit Geschwindigkeit, Höhe, Vertical Speed und verbleibender Distanz zusammengestellt. Leider gibt es hier noch einige kleinere Ungereimtheiten:
Erst einmal die Geschichte mit den Masseinheiten. Bisher kann man metrisch, Meilen und nautisch einstellen. Bei nautisch hat man zwar die Distanzen in nm und die Geschwindigkeit in Knoten, aber die Höhe ist ebenfalls in nm statt in Fuss. Ich habe bei den Entwicklern einen Antrag auf ein Aviatik-Programm gestellt und hoffe, sie kommen dem nach.
Die Geschwindigkeit wird eigentlich sehr präzise wiedergegeben. Allerdings beginnt das Display der Uhr ab 655 wieder von 0 an zu zählen. Im gespeicherten Logfile (also wenn man das ganze danach am PC auswertet), ist die Geschwindigkeit aber korrekt. Ich hoffe, dass dies bald korrigiert wird. Hier ist die Messung mit 280 + 655 = 935 ziemlich gut.
Die Höhe: Hier liegt die Uhr immer ca. 500-1'000 Fuss zu hoch. Dies liegt aber vermutlich weniger an der Uhr, sondern daran, dass die Höhenmessung per Satellit nicht wirklich genial ist. Also bleibt da wohl nicht mehr viel zu machen. Mit Kenntnis der gebräuchlichen Flugflächen kann man aber einfach auf die nächste normale Höhe abrunden und fährt damit fast immer richtig.
Vertical Speed: Kann ich nicht wirklich beurteilen, da mir das Umrechnen von m/h auf ft/min im Flug etwas zu kompliziert war :) . Jedenfalls gibt es aber bei der Anzeige offenbar nur verschiedene "Stufen", die angezeigt werden: z.B. -14, -18, -22, etc. Die Anzeige ist also nicht fliessend. Ist aber auch nicht so wichtig, man kann ja zuhause am PC dann anschauen, wieviele Fuss man in einer Minute gestiegen/gesunken ist und findet so die V/S raus
Restliche Distanz: Wie gesagt, hier liegt die Uhr etwas zu hoch, obwohl sie ja den direkten Weg verwendet und das Flugzeug an die Luftstrassen gebunden ist. Dramatisch sind die Abweichungen aber auch nicht, und wenn man hinterher die Aufzeichnungen betrachtet sieht man ja die tatsächlich geflogene Distanz
Auswertung
Das Speichern der Position erfolgt sehr exakt, insb. wenn die Uhr Kontakt zu mehr als 4 Satelliten hat. Am Boden (wo dies relevant ist), ist das eh meistens der Fall. So sieht dann bspw. das Taxiing in Zürich aus: Wie gesagt, die Abweichungen sind sehr klein!

Natürlich lässt sich das ganze auch 3D in Google Earth darstellen. So hier ein halbes Holding und ein ILS14 in Zürich:

Ebenso kann man das File in diverse Programme einspeisen. Besonders gefällt mir das Freeware-Programm "GPS-Track-Analyse.NET" . Herzstück ist die Auflistung aller Trackpoints, zusammen mit einem Diagramm von Höhe und Geschwindigkeit. Ebenso kann man hier einfach die Vertical Speed herausfinden, indem man einfach die Punkte einer Minute markiert. Glücklicherweise lässt sich das Programm komplett aviatisch (also mit nm/ft) einstellen!

Wer Lust auf Spielereien hat, kann sich den Flug auch hier noch in 3D darstellen lassen. Etwas abstrakt, aber ganz witzig :)

Und hier schliesslich einige Links zu Aufzeichnungen in Google Maps:
Natürlich bieten sich noch viele Möglichkeiten und Spielereien mehr!
Einziger wirklich limitierender Minuspunkt der Uhr ist die Batterie: Sie hält bei GPS-Verfolgung etwa 7 Stunden. Glücklicherweise lässt sich die Uhr jedoch auch während dem Recorden per USB-Lader oder Notebook aufladen. Das Laden selber dauert vielleicht eine gute halbe Stunde.
Alles in allem also wirklich ein ganz nettes Gimmick, das den Flug einiges interessanter macht und auch nach der Heimkehr für Spass bei der Auswertung sorgt :008:
Ich zumindest freue mich schon auf meine nächsten Flüge! (zugegeben, das täte ich auch ohne Uhr :D)
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