Ein Wochenend-Trip nach Sydney

Letztes Weekend ging es nach Sydney. Hauptbeschäftigung war natürlich das Flieger fotografieren, aber auch ein Bisschen Sightseeing fand Platz. Sydney ist bei Tag und Nacht eine imposante Stadt, was sich hoffentlich in den Bildern widerspiegelt. Natürlich gibt’s auch einige von den Flügen mit der 747 und 777 von Air New Zealand sowie der 747 von Qantas.

Zuerst mal ne kleine Karte, es sind wahrscheinlich nicht alle mit dem Gebiet hier so vertraut. Neuseeland und Australien werden durch die Tasman Sea getrennt, der Überflug dauert rund drei Stunden. Das bedeutet auch ein Sprung zwei Zeitzonen zurück – Australien hat UTC + 11 und Neuseeland UTC + 13.



Zu Beginn hatte ich mir gleich einen Flug auf der Queen of the Skies gebucht, der 747-400 von Air New Zealand. Als NZ5 ging es nach Melbourne, was eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Hauptziel Los Angeles ist.

Doch noch ein paar Details mehr...



Das Fliegen ist hier einiges komplizierter, als wir es uns gewöhnt sind. Damit meine ich nicht die 90 Minuten Anstehen beim Check-in, weil nur ein Drittel der Schalter geöffnet war.
Nein. Zusätzlich muss man noch eine Ausreisekarte ausfüllen. Wo geht man hin, mit welchem Flug, weshalb tut man das, für wie lange, wie lange war man hier, wann kommt man wieder zurück und wie lange gedenkt man, dann in Neuseeland zu bleiben. Der ulkige Fragenkatalog ist natürlich noch viel länger....
Doch damit nicht genug. Nach Ausfüllen dieser Karte muss man zum Bankbüro, sich dort nochmals eine Viertelstunde anstellen, um die Flughafentaxen zu bezahlen. Dafür kriegt man einen Stempel auf die Ausreisekarte und darf somit zur Sicherheitskontrolle....Jaja, es geht auch kompliziert... Endlich sass ich dann in der 747. Doch die 17 Jahre Flugerfahrung merkte man ihr nicht an – kein Wunder, sie wurde kürzlich mit einer neuen Kabine ausgestattet. Mit dabei auch ein neues IFE, das mit einigen tollen Gimmicks aufwarten konnte. So zum Beispiel diesem Showflug:



Ready for a trip to outer space?



Dann ging’s auch in der Realität los. Naja, fast. Als wir bei der Piste angekommen waren, wurde erst mal 10 Minuten gewartet. Dann wurden wir über ein „kleines Problem“ informiert, welches uns nach weiteren fünf Minuten zurück zur Terminal Area rollen liess. Etwas mit einer Fuel Pump sei nicht in Ordnung, hiess es. Als wir fast wieder an unserem Stand angekommen waren, entschied sich die Pumpe scheinbar, heute doch zu arbeiten, und so konnte es dann losgehen.

Mit genügend Verspätung (die ich nicht weiter schlimm gefunden hätte, wenn in Melbourne nicht meine geplante Qantas 747 auf mich gewartet hätte) ging’s dann doch noch los. Kurz nach dem Takeoff überquerten wir die Küste und begaben uns über die Tasmanische See:



Als nächstes kam das Essen dran, welches natürlich auch genauestens untersucht werden musste. Es gab eine Auswahl von zwei Speisen – Continental Breakfast und Warm Breakfast. Dieses hier ist das Continental, das ruhig etwas umfangreicher hätte ausfallen dürfen. Und in einer Kartonbox (Ex-Schuhschachtel??) habe ich nun auch noch nie etwas serviert bekommen...



Nach dem „Essen“ wurde es Zeit für einen kleinen Rundgang....Rear Economy:



Und das Upper Deck



Und noch einen Blick auf die Hälfte unserer Triebwerke, leider nicht von meinem Platz aus :)



Die restliche Zeit schlug ich mir mit dem vortrefflichen Inflight Entertainment System um die Ohren. Zwar fehlt dort mein geliebter Country-Channel, sonst ist aber alles vorhanden, was das Passagierherz begehrt. Von Simpsons bis Pirates of the Carribean 2, alles da.

Wir erreichten schliesslich australisches Festland und überflogen bald diese Schneise hier, die für eine Starkstromleitung geschlagen wurde (sieht das bei uns auch so aus??):



Hab so ein Bild ja schon in Auckland gemacht, aber in Melbourne siehts noch überwältigender aus :)



Während des Anflugs hatte ich eine wunderbare Sicht auf die Innenstadt



Die Landung erfolgte nach einem schönen Visual Turn-In und kurzem Final auf Rwy34.

Schliesslich war ich am Boden. Zur Passkontrolle, den nächsten ausgefüllten Fragezettel (diesmal Australischer Herkunft mit denselben, dämlichen Fragen) abgeben, Stempel empfangen, und auf zum Checkin. Da ich so spät war bekam ich nur noch einen der letzten Gangplätze – und wofür hatte ich nun die 747 gebucht? Hmmm....



Ich begab mich also wieder zu meinem Gate (zuerst noch ein kleines Fotobüchlein über Melbourne gekauft, dass ich zumindest weiss, wie es dort aussehen würde :)) . Da standen wirklich genügend Leute, um einen Jumbo zu füllen! Ich sah die Chancen, doch noch einen Fensterplatz zu erwischen rapide schwinden, und als ich dann an meinem Sitz –neben einer Mutter mit am Fenster klebendem Kleinkind- angekommen war, waren sie ganz ausgelöscht.

So geschah der Takeoff, ohne dass ich viel davon mitbekommen hätte. Kaum airborne, jagte die Besatzung schon durch den Flieger, bestrebt, jeden der rund 370 Passagiere zumindest mit einem Sandwich und einem Wasser zu bombardieren (ja, die Dinger kamen z.T. wirklich geflogen...). Die Piloten peitschten die Lady inzwischen in nur 19 Minuten auf FL390. Schliesslich begab ich mich wiederum auf einen kleinen Rundgang:

Wieder zwei 747-Triebwerke, nur diesmal mit anderem Logo drauf :)



Und hier wieder die Rear Economy des Fliegers. Irgendwie habe ich mich bei Qantas weniger wohl gefühlt als an Board der NZ747 kurz davor. Gründe könnten sein, dass alles viel enger wirkt aufgrund der dunklen Stoffbezüge. Der Sitzabstand fühlte sich aber auch wirklich weniger weit an. Zu guter Letzt funktionierte auch mein IFE, das über einen kleineren Bildschirm verfügte als das Pendant in der NZ747, nicht.



Bei meinem Rundgang hatte ich zufällig einen Fensterplatz entdeckt, der unbenützt war. So zog ich dann um, und machte es mir bequem. Wir waren schon wieder im Descent (der Cruise hatte nicht länger als 5-10 Minuten gedauert) und bald kam Sydney (links) mitsamt Airport (das künstlich wirkende, unschöne Gebilde rechts im Wasser) in Sicht:



Schöne Küstenlinien



Noch schönere Küstenlinien, schon auf dem ILS Rwy34L



Wir landeten erfolgreich, und bis auf 44 Passagiere, die mit der Maschine an ihre Enddestination San Francisco weiterreisten, stiegen alle mit mir aus.

Von da an wurde der restliche Tag mit Spotting verbracht. Gleiche Prozedur auch am nächsten Morgen – am Mittag ging es jedoch in die Stadt. 3 Stunden haben wir uns gegeben, was für ein Speed-Sightseeing und eine Hafenrundfahrt knapp ausreichte.

Et voilà, wohl das bekannteste Gebäude von Sydney. Die Oper, erbaut 1973. Der Kostenvoranschlag gab Baukosten von 7 Millionen Dollar an – verschlungen hat das Ding schliesslich 102 Millionen.







Kontraste zwischen alt und neu beim Fährhafen



Die Innenstadt mit dem Botanischen Garten im Vordergrund, gesehen von der Hafenrundfahrt aus:



Typisch Sydney – Oper, Harbour Bridge und ein Segelschiff



Nochmals Downtown mit seinem bekanntesten Gebäude



Stadtteil Darling Harbour mit Kreuzfahrtschiff



Ein weiterer der unzähligen Alt/Neu-Kontraste, die mir sehr gefielen.



Dann ging’s zurück an den Flughafen für die nachmittägliche Spotting-Session. Als die Sonne schliesslich unterging und Flugzeugfotos verunmöglichte, fuhren wir ein zweites Mal in die Stadt und lichteten stattdessen Gebäude ab (Dankeschön hierbei an Christoph fürs Benutzen-lassen seines Stativs :))

Mal wieder das Opernhaus



Habrour Bridge by night



Millionen von Lichtern schmücken die nächtliche Innenstadt



Braucht langsam keinen Kommentar mehr, was? :)



Uuuunnnd, nochmals die Harbour Bridge



Damit war die Stadt definitiv abgehakt. In der kurzen Zeit, die ich dort verbracht habe, vermochte sie mir ziemlich zu gefallen. Wenn man lange in Aucklang gelebt hat, kommt einem Sydney wie eine gequetschte und erdrückende Nachbildung vor – da das Layout sehr ähnlich ist, nur mit einer kürzeren Hafenbrücke und höheren bzw. mehr Hochhäusern. Sydney schien irgendwie massiver und noch geprägt von pompösen (Backstein)-Bauten aus dem Industriezeitalter, während mich Auckland eleganter und „neuer“ dünkt.





Einige Impressionen vom Spotting in Sydney
Alle 68 Bilder gibt's >>hier<<








Am nächsten Tag ging es, wiederum nach einigem Spotting, auf meinen Flug zurück nach Neuseeland. Als Transportmittel wählte ich diesmal die 777-200 von Air New Zealand. Die Triple Sevens sind sehr neu in der Flotte, es sind noch nicht einmal alle ausgeliefert. Zugleich sollte dies mein erster Flug mit meinem langjährigen Lieblingsflugzeug werden :)



Beim Check-In dann die Schrecksekunde. Die Schalterdame wollte mein Ausreiseticket aus Neuseeland sehen (also das für Mitte Januar, mit Singapore Airlines, das ich schon vorweisen musste, um überhaupt ein Visum zu bekommen !!) . Doch alles Verhandeln half nix, ich brauchte ein Ticket. Ich fand schliesslich das Singapore-Büro, welches glücklicherweise geöffnet hatte, und mir mein Ticket ausdruckte. (Wie kann man dem Gast das Reisen eigentlich noch komplizierter machen??)

So klappte der Checkin dann doch noch. Ich ergatterte mir einen der letzten Fensterplätze, und schon bald konnten wir boarden (natürlich mussten zuerst wieder Infokarten ausgefüllt werden....*grml*)

Etwas später sind wir schon am Holding Point der Rwy34L angelangt – ein weiteres nettes Features des IFE ist das Aircraft-Tracking am Boden, in Echtzeit, gestützt auf Satellitendaten und –Bilder.



Airborne, Blick auf das International Terminal



Noch vor dem Essen machte ich mich auf einen Rundgang. Auch hier eine neue Kabine in Top-Zustand!!



Leider war die Business Class abgeschirmt, womit ich mich bald wieder hinsetzte, und der Dinge („Essen“ :rolleyes: ) harrte, die die Kartonbox für mich bereithaben würde.

Es war –ich musste mir das notieren, denn wiederidentifizieren könnte ich das nicht- Chicken mit (eiskaltem) Kürbissalat und Honigeis (wärmer als der Salat). Die Alternative wäre irgend ein Beef gewesen, das hatte es bei mir in der zweithintersten Reihe jedoch schon nicht mehr...

Das Zeug war übrigens mehr oder weniger essbar und ich lebe auch noch...



Das IFE der Triple Seven entspricht dem der umgerüsteten 747 und ist State of the Art. Nur kam ich nicht dazu, es wirklich auszuprobieren, denn da wartete noch das letzte nette Dokument auf mich – das berüchtigte neuseeländische Einreise- und Zollformular.


- Haben Sie Tuberkulose? Nein, hoffe nicht...
- Haben Sie sich mehr als drei Monate in einem tuberkulosegefährdeten Land aufgehalten? Nicht dass ich wüsste...
- Führen Sie Esswaren mit sich? Jap, drei übrig gebliebene M&M’s sowie eine Flasche Wasser, zu 7/8 gefüllt...
- Führen Sie Milchprodukte mit sich? Man reiche mir ein Lexikon, damit ich das für die drei M&M’s abchecken kann...
- Führen Sie Tiere mit sich? Ja klar, die zwei Giraffen im Gepäckfach sind doch nicht zu übersehen...
- Führen Sie Tierteile mit sich? Natürlich – 10 Elefantenrüssel und drei Kängurubeutel
- Führen Sie Gefahrengegenstände wie gebrauchte Zelte oder Golfschuhe mit sich Klar, eine Armee von 50 beisswütigen Killerzelten...
- Hatten Sie in den letzten 30 Tagen Kontakt zu Tieren? Zählt mein sich nie duschender Mitbewohner auch dazu?



Während ich mich zunehmend ab den dämlichen Fragen nervte hätte ich fast das tolle Schauspiel verpasst, das sich ausserhalb abspielte:

Da war sie – diese magische, von Enthusiasten vielfach herbeigesehnte Minute, wenn die komplette Welt am Boden in eine undurchdringbare Dunkelheit taucht und man die mit den schönsten Farbtönen prahlende Sonne scheinbar ganz für sich alleine hat.



Und weg war sie...



Es folgte ein netter Anflug auf Auckland, der in einem langweiligen ILS23L gipfelte. Nach der Landung konnte ich noch kurz im Cockpit vorbeischauen – ein gelungener Abschluss für meinen ersten Triple Seven-Flug und ein geniales, perfektes Aviatikwochenende



Das war’s vom Kurzausflug nach Sydney.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir Air New Zealand sehr gut gefallen hat. Die neu eingerichteten Langstreckenjets verfügen über eine tolle, leichte Atmosphäre, die nie ein Gefühl von Enge aufkommen lässt. Auch das Entertainment System weiss zu begeistern. Einziger Minuspunkt ist das Essen – wobei ich annehme, dass dies auf den wirklichen Langstrecken besser sein könnte als auf den Trans-Tasman-Services.

Qantas hat mir weniger gut gefallen. Kabine älter, IFE mit kleinerem, qualitativ schlechterem Bildschirm und weniger Auswahl. Sitzabstand schien enger. Dennoch möchte ich nicht von einem Einstundenflug in einem gerappelt vollen Jumbo mit (natürlich) gestresster Crew auf eine ganze Airline schliessen.

Zuletzt noch zum Reisen hier in Ozeanien allgemein. Da lobe ich mir Europa! Manchmal scheinen sie hier komplizierte, nicht kundenfreundliche Scheinlösungen zu lieben. Wie sehr schätze ich da Europa, wo ich unkompliziert, nur mit der Identitätskarte bewaffnet umherfliegen kann.