Zwar ist Kanada mehrheitlich für seine unberührte Natur berühmt, aber auch die grossen Städte der Ostküste haben ihren Charme: Vom idyllischen und geschichtsträchtigen Québec übers französisch angehauchte Montréal bis zum geschäftigen und modernen Toronto gibt es hier alles zu sehen. Und ganz der Natur entziehen kann man sich in Kanada ohnehin nicht: Die gigantischen Niagarafälle waren natürlich ein "must-see", ebenso eine Bootsfahrt durch die beschaulichen "Thousand Islands".

 

Inhalt

 

Anfang Mai lag ein folgenschweres E-Mail der KLM in meinem Postfach: Für einen Schnäppchenpreis rund 1/3 günstiger als derjenige von Swiss konnte man über Amsterdam und inklusive MD-11 nach Montreal reisen. Ich wollte schon immer einmal nach Kanada, auf den amerikanischen Kontinent, überhaupt nach Westen reisen. Die Familie liess mich nur unter der Bedingung ziehen, auch mitkommen zu dürfen. So wurden aus dem geplanten dreitägigen Montreal-Spotting-Trip zwei Wochen Städtereisen in Ostkanada :D
Erstmals habe ich die Flüge auch mit GPS aufgezeichnet, was eigentlich immer sehr gut klappte. Daher gelangt man durch Klick auf jede Flugübersicht zu Google Maps, wo man sich die Flugrouten und weitere Details auf Wunsch genauer ansehen kann ;)



Eines bewölkten Tages geht’s also los, zuerst auf den Hüpfer nach AMS.



Netterweise wurden wir über den Airport in den Downwind geschickt – da steht seeehr viel blau rum!



Nach kurzem Wechsel des Terminals (AMS ist zum Umsteigen genial, da die Terminals alle über einen zentralen Punkt verbunden sind!) waren wir schliesslich am Gate. Und wer stand vor mir? Anna Pavlova in ihrer vollen Grösse. Ich wusste es irgendwie :) Bei jedem meiner AMS-Besuche war es die schöne Anna, die sich von den MD-11 am schönsten in Szene setzte – sie scheint mich zu mögen ;)



Doch Anna zeigte sich erst von ihrer zickigen Seite. Dank technischer Probleme fuhren wir eine Abgangsverspätung von einer ganzen Stunde ein. Zum Glück wusste ich da –vor meiner ersten Atlantiküberquerung- noch nicht, wofür die richtige Anna Pavlova, eine russische Ballettänzerin, besonders berühmt war: den „sterbenden Schwan“!
Schliesslich bequemte sich die Diva dann doch, und es konnte losgehen.

Leaving continental Europe



Die Uhr funktionierte prächtig und wäre durchaus auch als personal IFE zu gebrauchen :)



Doch das war nicht nötig: Alle MD-11-Kabinen wurden kürzlich erneuert: Sie präsentieren sich hell, mit grosszügigen Sitzabständen und persönlichen Bildschirm. Übrigens waren auch Essen und Service mehr als nur gut – gerade in Anbetracht des Preises!



Nach meiner ersten Atlantiküberquerung (irgendwie schon ein spezielles Gefühl, auch ohne Sicht auf Grönland und Eisberge :)), tat sich schliesslich ein erster Blick auf Kanada auf – und was für einer!



Ein gutes Stündchen später schliesslich Landung auf Montreals 6R – im Hintergrund ist schon unser Hotel für die Nacht zu sehen. Der Grund dürfte ersichtlich sein :D


 

Québec

Am nächsten Tag ging’s per Zug weiter auf die 3-stündige Fahrt nach Québec City. Als Schweizer wird man dabei leider das Gefühl nicht los, dass das Bahnreisen in Kanada irgendwie ein Dasein als komplizierte Randsportart für wagemutige Abenteurer fristet: Auch zwischen den grössten Städten gibt es nie mehr als 4-5 Zugverbindungen pro Tag. Sitzplätze müssen reserviert werden und sind häufig ausgebucht. Das Gepäck muss man vor der Abfahrt einchecken, inkl. Gewichtsbeschränkung (!). Hachja, aber dafür haben sie dann in allen Zügen Wireless Internet :rolleyes:



Lieber als Internet wäre mir jedoch gewesen, nicht zwei Stunden enroute steckenzubleiben, weil so ein dämlicher kilometerlanger Frachtzug vor uns liegengeblieben war. Naja, irgendwann kamen wir dann doch noch in Québec an, und als sich 20 Minuten danach auch noch ein Taxi bequemte, sich mal kurz am Bahnhof nach möglichen Fahrgästen umzuschauen, auch ins Hotel.

Was für eine Odyssee! Doch sie hatte sich gelohnt. Die Provinzhauptstadt Québec stellte sich als wundervolles Schmuckstück heraus. Stadtleben; auch im Bild unsere einfache aber charmante, zentrale und daher überhaus empfehlenswerte Unterkunft – das ‚Auberge du Tresor’



Québec verfügt über eine traumhafte Lage über dem St. Lorenz-Strom. Dieser befördert das Wasser, das von Orten so weit her wie Chicago oder Duluth in den USA herkommt, schliesslich in den Atlantik. Hier ein Panorama von der Terrasse Duffrenin



Auf einem Bummel durch die Altstadt



Wie man sieht, findet ein Grossteil des Lebens auf *schauder* französisch statt. So sind auch nur gerade 2% der Bevölkerung englischer Muttersprache. Dies geht auf die Ursprünge der Stadt zurück: Québec wurde 1608 als zweite kanadische Kolonie von den Franzosen gegründet und leistete etlichen Angriffen durch die Engländer erbitterten Widerstand. Hier der (allerdings nur restaurierte) Kern der äusserst schmucken UNESCO-Altstadt



Québec ist auch die einzige befestigte Stadt Nordamerikas. Heute werden die Wälle gerne als Spazierwege benutzt



Ein abendlicher Blick auf den St.Lorenz-Strom, der Québec übrigens auch zu seinem Namen verhalf: Die Ureinwohner nannten die Stelle Kebek, was „Engstelle des Flusses“ bedeutet – denn nach Québec wächst der Strom auf etliche Kilometer Breite an



Auch bei Nacht präsentiert sich die Altstadt sehr sehenswert – doch was ist denn das für ein wuchtiges Gebäude am oberen Bildrand?



Nichts geringeres als die unübersehbare Hauptattraktion der Stadt, das Château Frontenac. Das Luxushotel wurde 1893 von der Canadian Pacific Railyway Company als eines von vielen seiner Art errichtet, um Luxustouristen auf ihre neu erbaute transkontinentale Strecke zu locken.



Am dritten Tag zeigte es sich endlich bei eitel Sonnenschein – nachdem ich diesen Schuss zuvor schon knapp ein Dutzend Mal bei verschiedenen Bewölkungsgraden probiert und die Hoffnung beinahe aufgegeben hatte :D



Dann hiess es Abschied nehmen von der Prachtstadt. Sie ist wirklich jedem zu empfehlen! Wir verbrachten knapp 3 volle Tage da, was reichlich genügt. Per teurem Taxi ging’s dann an den Flughafen (man halte fest: Es gibt keine, I repeat: keine! ÖV-Verbindung an den Airport! :rolleyes: ) für den Flug nach Toronto. <



Der hübsche grüne CRJ der ACA-Tochter Jazz kam leider eine Stunde zu spät an. Der Sitzabstand war phänomenal, aber es hatte nur jede zweite Reihe ein Fenster (und ich sass natürlich in der falschen). So bedurfte es einiger Verrenkungen, um beim Takeoff einen letzten Blick auf das Terminal werfen zu können



Das Kabinenprodukt war toll: Jeder Sitz verfügte über einen Fernseher (leider alle ausser Betrieb *gg*) und einen USB-Port. Doch für was auch in die Pixel gucken, wenn sich am Fenster ein solcher Anblick bietet!


 

Toronto & Niagarafälle

Es wurde ein schöner Tag prognostiziert und so pferchten wir das Sightseeingprogramm von zwei Tagen in einen. Nach wenigen Stunden Schlaf ging's zum Frühstück also da rauf:



Der CN-Tower war bis ihn im September 2007 der Burj Dubai überholte das höchste Gebäude der Welt. Mit dem Lift (in einem gläsernen Liftschacht – cool!) ging’s zuerst zum Observation Deck in 346 Metern Höhe. Von da hat man einen schönen Blick auf die Grossstadt und u.a. auch auf den Toronto City Center Airport, den perfekt gelegenen Stadtairport und HUB von Porter Airlines



Dann ging’s nochmals 100 Meter höher auf das „SkyPod“ für eine geniale Rundumsicht. Hier ein Blick runter auf das Stadtzentrum



Kleiner Mitzieher *g*



Dann ging’s zum Busbahnhof der Stadt für das Nachmittagsprogramm. Erstes Highlight war, einmal mit einem aus so vielen (Country-)Songs bekannten Greyhound-Bus | zu fahren, auch wenn’s nur ein Greyhound Canada war. Zweites Highlight war, wo er uns nach zwei Stunden ausladen sollte. Auch die Fahrzeit war toll – ich liebe die amerikanischen Trucks, und davon gab’s auf der Autobahn reichlich!



Dann kam uns noch dieses niedliche Teil hier entgegen *g*



Und hier lud uns der Bus schliesslich aus: The amazing Niagara Falls!



„Den“ Niagara-Fall gibt es nicht. Vielmehr sind zwei grosse Wasserfälle gemeint: Die American Falls (links), die komplett auf US-Gebiet liegen und nur rund 10% der Wassermenge ausmachen. Der Rest fliesst über die Horseshoe Falls (rechts), die fast ganz in Kanada liegen



Through the Rainbow Gate



Schön!



Erst fand ich es etwas schade, dass Rundflüge über die Fälle so teuer sind. Aber nur, bis ich den Skylon Tower entdeckte: Von dessen Observation Deck 160 Meter über dem Boden ist die Aussicht auch nicht schlecht!



Einfach wunderschön!



Rund 3’000m³ Wasser pro Sekunde fliessen über die Fälle – das ist etwa ein städtisches Wohnhaus jede Sekunde! Fliessgeschwindigkeit übrigens ca. 32km/h.



Wir genossen ein wunderbares üppiges Nachtessen unweit der Fälle (es gäbe übrigens auch ein Drehrestaurant im Aussichtsturm), die sich in traumhafter Abendstimmung präsentierten. Noch einmal die American Falls mit Blick aufs US-Städchen Niagara Falls



Nach Einbruch der Dunkelheit folgte dann das Schlussbouquet in Form einer tollen Lightshow, die die Fälle in verschiedene Farben tauchte. So gab’s die Horseshoe-Falls zum Beispiel ganz in rot zu bewundern...



...und die American Falls zeigten sich vielfarbig



Den nächsten Tag liessen wir etwas ruhiger angehen und beschränkten uns auf eine Stadtrundfahrt im Doppeldecker-Bus. Das war ab und zu eine ziemlich knappe Angelegenheit!



Zu sehen gab’ es nicht ausserordentlich viel wirklich fotogenes, aber die Casa Loma war durchaus nett. Sogar die Sonne schaute noch kurz vorbei :)



Den darauffolgenden Tag verbrachte ich dann mit Spotting am Airport, wovon ihr später noch ein paar Häppchen vorgesetzt bekommt. Tags darauf mussten wir früh aus den Federn, um 07 Uhr ging der Zug nach Brockville!


 

Thousand Islands

 

Aus der Zugfahrt wurde jedoch nix, der Zug war ausgebucht (! noch nix von auf dem Boden sitzen gehört ihr Kanadier? :001: ). Doch kein Problem – den Busbahnhof kennen wir ja schon und Busverbindungen gibt es in jedes Nest! Schon eine Stunde später waren wir „on the way“, und drei Stunden darauf im Provinzstädtchen Brockville angekommen.



Brockville, ca. 1800 gegründet, ist eine der ältesten Städte im Bundesstaat Ontario. Doch wir waren nicht wegen der Geschichte hier, sondern wegen den „1000 Islands“, die hier den St.Lorenz-Strom (jaja, schon wieder der!) bevölkern.
Eine Bootsfahrt führte durch ein paar Dutzend der meist kleinen Inseln, auf denen knapp Platz für ein einziges Häuschen bleibt



„Highlight“ war Singer Castle auf der Dark Island, welche übrigens schon zu den USA gehört



Land unter?



Auf der Fahrt zurück gerieten wir dann in ein kleines Gewitter, was einen beeindruckenden Anblick hergab



Nichts desto trotz liefen wir sicher im Hafen von Brockville ein und genehmigten uns ein geniales Nachtessen im Hafenrestaurant


 

Ottawa

 

Eine gute Stunde im Zug und wir erreichten die Hauptstadt Kanadas, Ottawa. Ihre Bedeutung verdankt die Stadt der Queen. Als die Auswahl der Hauptstadt anstand, entschied sie sich gegen die Grossstädte wie Montreal, Toronto oder Québec und für das kleine Holzfällerörtchen Ottawa - weil dieses nicht so nahe bei den gefürchteten Amerikanern lag :D Nach trüber Wetterprognose erschrak ich umso mehr, als ich am nächsten Morgen von einem Sonnenstrahl geweckt wurde. Und bevor sich die Wolkendecke wieder schloss, war ich schon zum Parlamentsgebäude gesprintet und hatte es auf die Speicherkarte gebannt :)



Mein Timing war perfekt – ich war just in die Parade zur Wachablösung geplatzt! Very british, indeed!



Viel mehr hatte Ottawa nicht zu bieten – auf der Bustour zeigten sie uns sogar diverse Botschaftsgebäude, um die Zeit zu füllen. Also war ich am Abend nochmals für eine kleine Nightshot-Session ausgerückt. Wiederum das Parlamentsgebäude, diesmal von hinten.



Der 92m hohe Peace Tower im Closeup



Und schliesslich noch ein Blick auf das National War Memorial



Ein Tag genügte uns für die Hauptstadt. Für Personen wie mich, die man höchstens in ein Museum kriegt um zu beobachten, wie ein Mensch innerhalb von 30 Sekunden im Stehen einschlafen kann, gibt es nicht allzu viel zu sehen. Alle anderen dürften locker 2-3 Tage füllen können. Nicht komplett wäre ein Ottawa-Besuch jedoch ohne das Verspeisen eines leckeren Beaver Tails (was übrigens schon Obama tat :)) So ging es auf unsere letzte Zugfahrt zurück nach Montreal. Das ist leider hier im Osten keine so landschaftlich reizvolle Angelegenheit, wie man vermuten würde – das Land ist grösstenteils flach und unbewohnt


 

Montréal

Ankunft im Montreal. Von unserem Zimmer (im „Quality Inn“) hatten wir einen netten Blick auf die Hochhäuser – nachdem wir den Balkon von Unrat, Flaschen und Glasscherben unserer Vorgänger befreit hatten



Tags darauf stand die Erkundung der Stadt auf dem Programm. Montreal gilt übrigens, obwohl sie mehrheitlich von Englischsprechenden bevölkert ist, als die zweitgrösste frankophone Stadt der Welt nach Paris!
Erster Halt war die Basilika Notre Dame de Montreal und ihr wunderschöner Innenraum



Gleich daneben liegt der Laden „Noël Eternel“, also ewige Weihnachten. Also rein für ein paar Minuten Weihnachten mitten im Sommer!



Und damit hätte ich den Themenbezug zum Fliegerforum auch noch hingekriegt :D
(Bis ich den Shot mehr oder weniger scharf hingekriegt hatte, stand ich 5 Minuten direkt bei der Kasse, und sah’ wohl aus wie eine Katze, die einem Tennisball nachschaut. Jedenfalls erntete ich unzählige belustigte Blicke *ggg*)



Weiter ging’s zum Olympiastadion für die Spiele `76 – bezahlt waren die angehäuften Baukosten übrigens erst 2006 :D



Das Wahrzeichen Montreals ist das auch vom Flughafen sichtbare St.Josephs-Oratorium – mit 10'000 Plätzen eine der grössten Kirchen weltweit!







In der Innenstadt findet man diverse reizvolle Kontraste!



Nett auch das Edifice Sun Life, bei seiner Erbauung 1931 das voluminöseste Gebäude im ganzen britischen Empire!



Travelling in style – Strech-Limos erfreuen sich in Kanada unglaublicher Beliebtheit, wir sahen Dutzende!



Noch ein Kontrastlein zum Schluss...



...dann ging’s (nach einem Spotting-Tag) schon wieder auf den Heimweg Richtung Europa!

[/URL] Abholen kam uns Audrey Hepburn. Wiederum gab’s beim Online Check-in 5 Minuten nach dessen Eröffnung nur noch einen einzigen Fensterplatz. Naja, immerin! Lining up 6R merci Thierry pour la photo magnifique!



Goodbye Montreal!



Begeistert von der Exaktheit meines neuen Babies (nur bei der Höhe übertreibt es gerne etwas) :D :D



Geniessen, solange man noch kann!



Sunset über dem Atlantik – auf der anderen Fliegerseite wurde es übrigens den ganzen Flug über nie ganz dunkel!



Und schliesslich Landung im dunstigen Amsterdam!



Der Weiterflug nach Zürich stand erst zwei Stunden später an, und so konnte ich einem kurzen Besuch der genialen Terrasse nicht widerstehen. Doch alles Hinauszögern nützte nix, es ging heimwärts!

Nach unspektakulärem Flug begrüsste uns Zürich von seiner schönsten Seite – jaja, allem Kanada zum Trotz, auch die Schweiz ist nicht zu verachten!



Damit war eine tolle Reise zu Ende. Wir haben zwar nur einen Bruchteil Kanadas gesehen (sehe kleines grünes Rechtecklein in der Karte zuoberst!), und praktisch nichts von den sensationellen Landschaften im Norden und Westen. Trotzdem haben es mir auch die Städte schon sehr angetan und ich kann kaum warten, bald wieder ins Land des Ahorns zurückzukehren und mehr davon zu erkunden! Alle besuchten Reiseziele sind absolut empfehlenswert!

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