Ich verbrachte vier Monate in Neuseeland. Die ersten drei Monate war ich in einer Sprachschule in Auckland, der grössten Stadt des Landes.

Danach ging es auf eine Rundreise durch das vielfältige Land, von der Nordspitze mit ihren langen Sandstränden über die wilden Vulkane im innern der Nordinsel bis zu den Dreitausendern und den pittoresken Fjorden ganz im Süden.
Hier eine Auswahl der Bilder.

 

Inhalt

 

Für die Lesefaulen gibt's hier eine Slideshow der Bilder
aaa3

Auckland - Metropole am Wasser


Auckland ist mit 1,3 Millionen Einwohnern (etwa 1/3 aller Neuseeländer!) mit Abstand die grösste Stadt des Landes. Obwohl sie nicht die Hauptstadt ist, spielt sich hier der Grossteil von Wirtschaft und Handel ab. Die Innenstadt, direkt am Meer, ist geprägt von Wolkenkratzern.



Ausserhalb befinden sich riesige Wohngebiete. Ein Blick auf ein solches Wohnviertel mit einem farblich bunten Mix aus meist einstöckigen, hölzernen Wohnhäusern. Man erkennt die grosszügigen Gärten, über die all die Häuser verfügen – der Grund, weshalb die Agglomeration eine solch grosse Fläche einnimt!



Das Stadtbild ist geprägt von vielen grünen Hügeln, denn Auckland ist auf sage und schreibe 48 erloschenen Vulkanen erbaut.
Ein Blick von einem dieser Hügel, dem Mount Eden, auf den Business District



Dieser Mount Eden wurde dann auch zu meinem Lieblings-Ort in der Stadt: Perfekte Ruhe mit einer grandiosen Aussicht auf den Business District. Na gut, vielleicht lag es auch an diesen Kollegen hier, dass ich mich dort wohl fühlte...



Ein Blick auf die Innenstadt von der Fähre.



Dominiert wird die Skyline vom 328 Meter hohen SkyTower, dem höchsten Gebäude der Südhemisphäre. Ein Ufo?



Nein!



Von da oben hat man natürlich einen wunderbaren Blick auf die Stadt, die aufgrund der vielen Segelfanatiker auch City of Sails genannt wird. Man sieht’s...



Ein Blick auf die drei Wolkenkratzer in der Innenstadt...



...und eine nächtliche Übersicht. Das hell beleuchtete Areal ist der Containerhafen, wo auch ab und zu Schiffe aus Europa einliefen und mit ihren „Hapag-Lloyd“ oder „Hamburg Süd“-Containern gleich Heimatgefühle weckten :)



Der Fakt, dass Auckland erst 1840 gegründet wurde, ist omnipräsent. Eine niedliche Altstadt fehlt vollkommen und ein Grossteil der Innenstadt ist geprägt von Zweckbauten aus Glas und Beton. Nur ab und zu erblickt man ein älteres Gebäude mit Charakter...



Ein solches Gebäude ist aber auf jedenfall das „Ferry Building“, erbaut 1912. Noch immer machen hier die Fähren zu den nahegelegenen Inseln und anderen Stadtteilen Halt.



Ein Blick auf das nächtliche Auckland von einem gegenüberliegenden Vorort. Der Skytower ist weihnachtlich beleuchtet – er wechselt jeden Monat die Farbe, bei Siegen der heimischen Rugbymannschaft erstrahlt er in den Vereinsfarben...



Der Hafen bei Nacht



Und noch ein Abschiedsbild der City of Sails....

 

 

Der rauhe Norden der Nordinsel

Weiter geht's. Natürlich bin ich schon während meiner dreimonatigen Schulzeit auf Exkursionen gegangen, danach hatte ich jedoch einen ganzen Monat Zeit, das gesamte Land zu erkunden. So besorgte ich mir ein 50-Stunden-Busticket (später auf 75 Stunden verlängert ;)) und machte mich mit Sack und Pack auf den Weg. Gesamtkilometer am Ende: 3474 :)

Beginnen wir ganz im Norden, mit dem nördlichsten Punkt Neuseelands, dem Cape Reinga. „Reinga“ bedeutet auf Maori Unterwelt. Der Sage nach verliessen die Seelen der Toten an diesem Kap die Insel und betraten die Unterwelt. Pittoresk ist es allemal!



Wilde Schönheit in der Nähe des Kaps



Jop, auch das ist Neuseeland! Etwas südlich des Cape Reinga befinden sich diese Dünen, die sich gut fürs Sandschlitteln (Bodyboarding) eignen ;)



Etwas weiter südlich, die bekannte 90 Mile Beach. Und die ist ganz schön geschichtsträchtig: Von hier aus startete der australische Aviatikpionier Kingsford Smith (nach dem nun der Sydney Airport benannt ist) die ersten Flüge zwischen Neuseeland und Australien.
Heute wird der Strand mit seinem harten Sand als Alternative zur kurvenreichen Hauptstrasse genutzt und hat den Status einer offiziellen Strasse



Wieder etwas weiter südlich – weisse Strände gibt’s in Neuseeland natürlich auch ;)



Einen ganz anderen Untergrund bietet die Insel Rangitoto, die wenige Kilometer vor Auckland liegt. „Rangitoto“ bedeutet auf Maori „blutiger Himmel“ – ein Hinweis auf den Vulkanausbruch vor 700 Jahren, der die Insel aus dem Meer gehoben hat.



Ein Wochenendausflug führte mich auf die Great Barrier Island, 4 (sehr turbulente) Schiffstunden vor Auckland. Die Insel ist vor allem ein Wanderparadies, bietet aber auch traumhafte Strände:



Der Strassenrand war immer wieder von speziellen Gewächsen gesäumt:



Nun geht’s weiter südlich, etwa zur Mitte der Nordinsel. Ein Tagesausflug mit dem Flieger führte mich nach Tauranga – dem Lieblingsbadeort der Neuseeländer. Hier der Ausblick vom 232 hohen Wahrzeichen der Stadt, dem Mount Maungaui, ebenfalls ein erloschener Vulkan




Das aktive Zentrum der Nordinsel

Weiter landeinwärts gibt’s noch viel mehr Vulkane zu sehen, die der „Taupo Volcanic Zone“ angehören. Dominiert wird die Szenerie vom noch immer aktiven, 2800m hohen Mount Ruapehu. Der letzte Ausbruch des Riesen, der wegen seiner enormen Grösse hier mehr wie eine harmlose Bergkette aussieht, fand 2006 statt.



Durch das Vulkangebiet führt das „Tongariro Crossing“, eine 17km-Wanderung, die laut offiziellen Angaben 7-8 Stunden dauert, im Schweizer Marschtempo jedoch in 5:30 zurückgelegt wurde ;) . Erst geht’s durch die karge Landschaft am Fusse der Vulkane...



...bis man dann, 500 Höhenmeter weiter oben inmitten der Vulkangipfel steht. Leider hatten wir Wetterpech und wurden von Petrus mit heftigen Winden gepeitscht und durch dichten Nebel gehetzt. Zum Nachmittag hin klarte es auf, was einen Überblick erlaubte. Doch die Hauptattraktion, der Ngauruhoe-Vulkan versteckt sich noch immer hinter den Wolken...



Wenigstens die farblich interessanten „Emerald Lakes“ präsentierten sich kurz im Sonnenschein und liessen so das Fazit über die Wanderung doch noch positiv ausfallen.



Noch ein Bild, mit einem Blick ins Tal:



Schlau, wie die Neuseeländer sind, machen sie sich die Vorzüge der Vulkane zu nutzen. In der Touristenstadt Rotorua wurde schon 1908 das erste Badehaus erbaut, in welchem sich reiche Engländer mithilfe des schwefelhaltigen Wassers ihre Wehwehchen kurieren konnten. Heute sind die Geysire die Hauptattraktion und ziehen Hunderttausende in die Stadt mit ihrem omnipräsenten, starken Schwefelgeruch (länger als einen Tag hab’ ich’s da nicht ausgehalten...)



Weiter geht’s mit einem weiteren, imposanten Vulkan. An der Westküste, nahe der langweiligen, architektonisch scheusslichen Industriestadt New Plymouth befindet sich der 2518m hohe Mount Taranaki. Wie der dahin kam? Die Maori haben die perfekte Erklärung parat:



Bildchen gibbet natürlich auch noch:

 


Weiter geht’s mit der Hauptstadt Wellington, der drittgrössten und mit Abstand windigsten Stadt Neuseelands. Sie liegt am südlichen Ende der Nordinsel, eingepfercht zwischen Hügel und Meer. Typisches Bild:



Die Stadt hat ausser dem sehr interessanten und hervorragend designten Nationalmuseum nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die Lage ist jedoch sehr schön – wenn da nur dieser Dauerwind nicht wäre!



Typischer, neuseeländischer Holzbaustil, laut Aussagen übrigens äusserst schlecht isoliert. Es pfeift die ganze Zeit durch die Hütte und ist im Winter bitterkalt...



In der Innenstadt trifft man dann doch ein paar Stein- und Glaspaläste an:



Wellington ist aber auch Sitz der Regierung, die jeweils im „Beehive“ (Bienenstock), dem charakteristischen Parlamentsgebäude, tagt. Meist geht es dabei entweder ziemlich laut, ziemlich chaotisch oder ziemlich lustig (bzw. alles zusammen) zu und her. (vergl. Vid1 | Vid2 )

 

 

Die Südinsel: Landschaftliche Extreme

Von Wellington ging’s mit der Fähre über den tückischen Cook-Strait, die Meerenge zwischen Nord- und Südinsel, meist von aufgewühlter See geprägt. Am Tag meiner Überfahrt war das Wasser jedoch spiegelglatt, und der einzige störende Umstand war, dass es auf dem Schiff viel zu wenig Sitzplätze gab...
Hier sind wir schon bei der Einfahrt zum Hafen Picton auf der Südinsel durch die wundervollen Marlborough Sounds...



Bei Nelson, der Kleinstadt an der Nordküste der Südinsel, liegt der bekannte Abel Tasman Costal Track, ein 60km-Wanderweg, den man in 2-4 Tagen begehen kann. Aufgrund von Wetterpech entschied ich mich, nur ein 22km-Teilstück auf einem Tagesausflug zu absolvieren. Der Trip ist nur bedingt empfehlenswert, zwar stösst man immer wieder auf schöne Buchten, verbringt jedoch 80% der Zeit im dichten und dunklen Wald.



Mal ein Bild von mir auf einer der Hängebrücken durch den küstennahen Wald :)



Abendstimmung am weitläufigen Nelson Beach



Weiter geht’s an der Ostküste. Das Dorf Kaikoura ist ein Eldorado für Meeresenthusiasten. Ein Kilometer vor der Küste fällt der Meeresboden steil ab und erreicht Tiefen von 1300m. So hat man hier die Gelegenheit, Meeresbewohner zu sehen, die sonst nur auf offener See vorkommen.

Sehr imposant, einen bis zu 18 Metern langen und 50 Tonnen schweren Pottwal zu beobachten!



Kaikoura ist aber auch sonst äusserst faszinierend gelegen. Türkisblaues Wasser und nur wenige Kilometer dahinter schneebedeckte Berge!



Na? Gefällts?



In Kaikoura gibt’s auch an Land viele Tiere zu sehen – bei einem Strandspaziergang entdeckte ich eine Kolonie Neuseeländische Pelzrobben (NZ fur seals).



Dazu noch ein paar nette Felsformationen



Weiter geht’s nach Süden in die zweitgrösste Stadt, Christchurch. Sie gilt als die Englischste und hat mir dank den (vergleichsweise vielen) historischen Bauwerken sehr gut gefallen. Auch wirkt sie sehr aufgeräumt, hell, und man findet sich sehr leicht zurecht.
Eine typische Christchurch-Szene:



Architektonisch hat Neuseeland nicht viel zu bieten, das musste ich schnell merken. Gebäude aus Stein verleiten einem schon zu Luftsprüngen, prä-1900er sogar zum Salti schlagen. Sehr erfreut war ich, als ich mit der Christchurch Cathedral von 1864 endlich mal wieder etwas mit architektonisch durchdachtem Konzept erblickte:



Spiel mit Licht und Schatten



Nach drei Tagen Christchurch ging’s weiter in die Berge, Richtung Mount Cook. Die Fahrt führte erst über die weitläufigen Canterbury Plains, das fruchtbare Hinterland von Christchurch.



Auf halber Strecke machten wir halt am äusserst fotogenen Lake Tekapo. Dieser erhält durch die Gletschermilch eine tolle, türkise Farbe – in Kombination mit dem Alpenpanorama einfach traumhaft!



Nach der Ankunft im Dorf Mount Cook machte ich mich sofort auf, den höchsten Berg Neuseelands zu bewundern. „Aoraki“ heisst der 3754m-Koloss auf Maori, was soviel wie „Wolkenkitzler“ bedeutet. Tja, er machte seinem Namen alle Ehre!



Die nächsten zwei Tage versteckte sich das Bergpanorama komplett in tiefhängenden Wolken und ich konzentrierte mich auf’s Ausspannen an der gesunden Höhenluft. Schliesslich ging’s wieder ins Tal – ein Bisschen Busidylle:



Ziel war das kleine, beschauliche Städtchen Wanaka am gleichnamigen See. Was ich nicht wusste war, dass Wanaka zum Neujahr das Ziel zehntausender festwütiger Jugendlicher war – die Hotelsuche wurde gelinde gesagt schwierig :)
Dafür entschädigte das Panorama:



Am nächsten Tag ging es auf einen Rundflug zum spektakulären Milford Sound, einem Fjord an der Südwestküste. Here we are – der Berg links ist der „Mitre Peak“, er ragt von Meereshöhe auf beachtliche 1’692m!



Aber auch sonst ist der Milford Sound an Imposanz kaum zu überbieten – man notiere das „kleine“ Schiff!



Die Rundfahrt versüsst haben uns diese Kollegen, die uns während 10 Minuten scheinbar mühelos begleiteten:



Von Wanaka ging’s weiter in die nächste Partystadt, die „Adventure Capital“ Queenstown. Hier wird alles angeboten, mit dem man den Adrenalinspiegel irgendwie in die Höhe schnellen lassen kann. Da ich mich für weder noch begeistern kann, hielt es mich nur einen Tag in der sonst profillosen Stadt. Aber die Aussicht vom Hügel über Queenstown, mit den „Remarkables“ im Hintergrund ist unvergesslich!



Ein Panorama vom selben Ort:



Weiter ging’s an die Südostküste, in die Uni-Stadt Dunedin (ausgesprochen: „Daniden“). Diese, bzw. die angrenzende Halbinsel ist vor allem ein Naturparadies. Doch auch die Stadt hat (ausnahmsweise) etwas zu bieten! In Dunedin befindet sich z.B. die steilste Strasse der Welt, die Baldwin Street (19° bzw. 35% Gefälle)



Viel mehr noch gefiel mir aber die Dunedin Railway Station. Toll, sich nach 4 Monaten Architektur-Entzug an einem solchen Bauwerk laben zu können!
Erbaut 1906, ist sie nach dem fast gänzlichen Zerfall des neuseeländischen Eisenbahnnetzes jedoch zu einer reinen Touristenattraktion geworden:



Wie schon angetönt rühmt sich Dunedin als „Wildlife Capital“, und dies auch zurecht. Was man da an aussergewöhnlichen Tieren sieht, ist sagenhaft! Hier der Königsalbatros, mit rund 2 Metern Spannweite der zweitgrösste Segler überhaupt!



Ein weiteres Highlight waren die Gelbaugenpinguine, zu denen wir bis auf 10 Meter herankonnten. Total eindrücklich und unglaublich schön!



Ganz klar am imposantesten waren aber die riesigen Seelöwen. Dieser Bulle musste um die 2 Meter gemessen haben.



King of da Beach!



Nochmals ein Pingu, diesmal –scheinbar untypisch- im Gras versteckt:



Den musste ich einfach bringen – fasst die Vielfalt Neuseelands perfekt zusammen :)



A propos Schaf – klar, dass nicht ohne Schafbild heimkommen konnte:



Achja, landschaftlich war die Gegend natürlich wieder einmal phantastisch!



Noch so ein träger Kollege



So, damit wär ich schon fast am Ende. Zum Abschluss noch ein Bild aus dem abendlichen New Plymouth – der perfekt symmetrische Mount Taranaki!




Ich hoffe, der Reisebericht hat gefallen!


Noch ein kurzes Fazit von meiner Seite, falls jemand mit dem Gedanken spielt, dieses Paradies auch einmal zu besuchen.

Neuseeland ist die lange Reise (21 Stunden Flug) auf jeden Fall wert – es bietet eine solch enorme landschaftliche Vielfalt auf kleinstem Raum wie wohl sonst kaum eine Region. Imposante Gletscher, karge Vulkangegenden, schmale Fjorde, kilometerlange Sandstrände, saftig-grüne Hügel – das Land verfügt über alle Naturschönheiten, die man sich nur ausdenken kann. Dazu kommen Dutzende seltene Tierarten zu Land, in der Luft und im Wasser, die man mit Leichtigkeit in ihrem ursprünglichen Lebensraum beobachten kann. Neben den hohen Lebenserhaltungskosten ist das offensichtliche Fehlen einer langen Besiedlungsgeschichte, was sich vor allem in der zweckorientierten Architektur bemerkbar macht, wohl der einzige negative Punkt, den ich ausmachen konnte. Andererseits kann man froh sein, dass sich die Zivilisation so sehr beschränkt und weite Gebiete bis jetzt unberührt blieben....
Alles in allem ist eine Reise nach Neuseeland unbedingt zu empfehlen, auch wenn das Unternehmen sicher nicht preiswert wird und ich einen Aufenthalt von unter einem Monat nicht empfehlen würde. Ebenso ist eine Rundreise mit dem Bus nur bedingt zu empfehlen, da die ja meist in den Städten halt machen - die Schönheiten aber irgendwo dazwischen liegen.
So oder so, man bekommt dort so viel geboten, wie wohl in ganz Europa nicht....!

Copyright © 2018 planepics.org. All Rights Reserved.
[Login]